Pavel Pepperstein im Museum für Gegenwartskunst

Pavel Pepperstein · Ein Schlafender zwischen zwei Flüssen, 1998, Pinsel (Tusche) auf Büttenpapier Hahnemühle, Blatt: 79,6 x 107,3 cm grösste Masse, Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett, Foto: Kunstmuseum Basel, Martin Bühler

Pavel Pepperstein · Ein Schlafender zwischen zwei Flüssen, 1998, Pinsel (Tusche) auf Büttenpapier Hahnemühle, Blatt: 79,6 x 107,3 cm grösste Masse, Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett, Foto: Kunstmuseum Basel, Martin Bühler

Hinweis

Pavel Pepperstein im Museum für Gegenwartskunst

«Ein Schlafender zwischen zwei Flüssen», lassen uns die kyrillischen Buchstaben auf einer Tuschzeichnung wissen. Der Schläfer ist eine Kugel und ruht auf einem Kissen. Die Flüsse könnten auch die Kielwellen einer Reihe uns entgegenstürzender Ruderboote sein. Der russische Künstler und Autor Pavel Pepperstein (*1966, Moskau) lässt Kugeln zu Menschen werden. Er mischt Märchen, Träume und Historie zu einer mehrdeutigen mentalen Topografie. So verweist er unter anderem auf ein russisches Märchen, in welchem ein kinderloses Paar ein Söhnchen aus Brotkugeln formte. Dessen kullernde Entdeckungsfahrt ist nun auf dem Kissen zwischen den nachtschwarzen Flüssen zum Stillstand gekommen. Das grossformatige Blatt ist Teil einer von Christian Müller kuratierten Präsentation mit Beständen aus dem Kupferstichkabinett des Kunstmuseums Basel.
«Political Hallucination 1, Retired Spirit», 2002, zeichnet ein düsteres Bild unserer Welt: Zwischen den Furchen und Rinnen einer ausgetrockneten Kraterlandschaft flattert knallbunt das amerikanische Sternenbanner. Die vormalige Präsenz des «Retired Spirit» ist in einem wässerigen blaugrünen Wolkengebilde nur zu erahnen: ein schlafender Greis. Mit haarfeiner Tusche sind einzelne Locken nachgezogen. Man denkt unweigerlich an den bärtigen Schöpfer in Michelangelos Sixtinischer Kapelle - ein mächtiger Gott mit menschlichen Zügen, ein fassbarer Go-Between zwischen Diesseits und Jenseits. Die Serie der «politischen Halluzinationen» wurde kurz vor Ausbruch des Irak Krieges gemalt und spricht von der amerikanischen Dominanz in der westlichen Welt. Spiritualität und geistige Schöpferkraft klingen nur noch als vage Erinnerung an. Immerhin, denn um nochmals auf Michelangelo zu verweisen: «Gott hat der Hoffnung einen Bruder gegeben. Er heisst Erinnerung.»

Until 
07.04.2007

Im Rahmen der Gruppenausstellung «Cultural Confusion» in der Galerie Elisabeth Kaufmann, Zürich, zeigt Pavel Pepperstein neue kolorierte Tuschzeichnungen, bis 12.5.

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