Shandyismus. Autorschaft als Genre in der Secession

Hinweis

Shandyismus. Autorschaft als Genre in der Secession

Der englische Geistliche und Schriftsteller Laurence Sterne hat mit den Lebensbekenntnissen des Tristram Shandy, einer fiktiven Autobiographie, im 18. Jahrhundert eines der bemerkenswertesten und komischsten Werke der Romanliteratur geschrieben. Ständig abschweifend, wechselnde Perspektiven einnehmend, überraschende Volten der Geschichte verfolgend, steht der Protagonist für einen vormodernen Erzählstil, dessen Bedeutung
in der unkonventionellen Beobachtung und Darstellung der Ich-Form, der Autorschaft, liegt. In der Wiener Ausstellung wird «Shandyismus» als Phänomen des (Selbst-)Zitats postuliert und dessen unterschiedlich gefärbten Spuren in der zeitgenössischen Kunst nachgegangen. Die Rolle des Autors, selten der Autorin, wird dort aufgegriffen, wo sie explizit thematisiert ist: bei Marcel Duchamp und dessen «Boîte en valise», in der Duchamp seine eigenen Arbeiten miniaturisiert zur Schau stellte oder bei Martin Kippenberger, der auf mehrdeutige Weise Malewitschs Schwarzes Quadrat ummalte. Shandyismus kommt dabei sowohl als historisches Phänomen, als filmische Anmerkung wie bei Alfred Hitchcock - der selber in jedem seiner Filme einen kurzen Auftritt hatte -, oder als Verweis auf bestimmte Präsentationen des Ausstellungsraums der Secession zur Disposition. Mit Arbeiten u.a. von: Monika Baer, Marcel Broodthaers, Robert Frank, Louise Lawler, Christian Philipp Müller, Franz West.

Until 
14.04.2007

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