Sonja Vordermaier und Geelke Gaycken in der Kunsthalle

Geelke Gaycken und Sonja Vordermaier · L´état rochade, Aufbau der Installation, Kunsthalle Arbon, 2007

Geelke Gaycken und Sonja Vordermaier · L´état rochade, Aufbau der Installation, Kunsthalle Arbon, 2007

Besprechung

Die in Hamburg lebenden Künstlerinnen Sonja Vordermaier und Geelke Gaycken planen in der Kunsthalle Arbon die experimentelle Kollaboration. Dabei machen sie die besondere Architektur, den hohen, lang gestreckten Oberlichtsaal der Kunsthalle im Sinne eines plastischen Volumens zum Ausgangspunkt einer Verschränkung ihrer künstlerischen Strategien. Mit «L?etat rochade», so der Titel der Schau, etablieren sie ein raumbezogen skulpturales Spiel von Wechselseitigkeit, das zwar gewissen Regeln folgt, aber strikt ergebnisoffen ist.

Sonja Vordermaier und Geelke Gaycken in der Kunsthalle

Diese Doppelstrategie, die auch stark im jeweiligen Einzelwerk der Künstlerinnen verankert ist, passt überdies perfekt zum Anspruch der Kunsthalle, wo man sich nach eigenen Angaben «mit experimentellen Formen zeitgenössischer Kunst auseinandersetzt, die man nur bedingt in traditionellen Räumen präsentieren kann». Darauf lassen sich Gaycken und Vordermaier mit ihrer prozessorientierten Installation auf intensive Weise ein. Diese Auseinandersetzung beginnt längst vor dem eigentlichen Aufbau, denn die beiden bereiten den konkreten Werkprozess bereits im virtuellen Raum vor: Per E-Mail tauschen sie regelmässig Fotocollagen und Zeichnungen aus, die sie immer wieder gegenseitig überarbeiten. So entspinnt sich ein Dialog über Skulptur, der aus wechselseitiger Reaktion heraus Ideen generiert, voran treibt und über den man sich in den reellen Ort hinein imaginiert. Im gemeinsamen Prozess reichern Vordermaier und Gaycken plastisches Potenzial an, um es später im Realraum entfalten, variieren, ähnlich oder auch ganz anders organisieren zu können. Es gibt keinen fixen Plan, stattdessen wird ein Feld der Auseinandersetzung etabliert, in dem das Werk qua Dialog und aus dem Agieren mit dem Material entsteht. Ausser über besagten Skizzentausch formalisieren die Künstlerinnen diesen Prozess, indem sie ein Set aus Basiselementen anfertigen: Eine Art Baukasten-Stecksystem aus Holzplatten, die sie in grosser Stückzahl und unterschiedlicher Dimensionierung als Ausgangsmaterial bereit stellen und das, so Vordermaier, «multifunktional als Raumteiler, als skulpturales Versatzstück oder einfach nur als Indikator genutzt wird, um anzuzeigen, dass die imaginären Massstäbe nach oben oder unten umspringen». Doch damit ist lediglich die Basis- und Kernstruktur gesetzt. Im Umgang mit ihr, aber auch in der Verwendung weiterer, spezifischer Materialien wird sich auch die individuelle Handschrift der Künstlerinnen abzeichnen. Aufs Ganze gesehen ist «L?etat rochade» ein permanenter Anstoss zur Überschreitung, eine «Versuchsanordnung, in der», so die Künstlerinnen, «abwechselnd ordnende Prinzipien gesetzt und von der Gegenspielerin aufgegriffen werden, um diese zu demontieren oder mit einer Fluchtlinie zu versehen, die auch ins Chaotische führen kann». Gaycken und Vordermaier arbeiten am gemeinsamen Gegeneinander, sie entfalten plastische Form gezielt aus einer Dynamik des Widerspruchs. Das Ergebnis ist hier nicht vorwegzunehmen.

Until 
21.09.2007

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