Runa Islam

Runa Islam · Empty the pond to get the fish, 2008, 35-mm-Film, Courtesy MUMOK

Runa Islam · Empty the pond to get the fish, 2008, 35-mm-Film, Courtesy MUMOK

Besprechung

Reduktion und Distanz: Runa Islam setzt in ihren Filmarbeiten auf eine thematische Zurückhaltung, die oft mit wenigen inhaltlichen Angaben auskommt. Umso komplexer scheint der theoretische Hintergrund, von dem aus sie arbeitet. Drei neuere filmische Installationen sind im Mumok in Wien zu sehen.

Runa Islam

«Empty the pond to get the fish»

«Empty the pond to get the fish» ist die jüngste Produktion Runa Islams, ein 35mm- Film, der in Wien im ehemaligen Museum des 20. Jahrhunderts gedreht wurde. Das «20er Haus», ein Glas-Stahlpavillon der Fünfzigerjahre,der derzeit gerade umfassend renoviert wird, ist eines der wenigen Beispiele für Bauten der österreichischen Nachkriegsmoderne. Seine Geschichte als Museum für zeitgenössische Kunst in Kombination mit der charakteristischen Luft- und Lichtarchitektur machte es seit jeher zu einem prädestinierten Ort für die Manifestationen unterschiedlicher künstlerischer Auseinandersetzungen.Runa Islamverwendet nun die Architektur des «20er Hauses» gleichsamals abstrakten Raster für ihren Film, indem sie seine äussere Erscheinung als Oberfläche beschreibt, ohne auf deren Geschichte allzu sehr Bezug zu nehmen. Die gerahmten Stahlträger des Gebäudes fungieren dabei als allgemein modernistische Metapher für das Thema Film, für eine bestimmte Form von Projektion und auch für die kleinste filmische Einheit, den Filmkader. Die Kamera bewegt sich hier ruckartig hin und her oder zoomt sich vor und zurück,wie ein «Schreibstift», mit dem eine «Sprache des Films» festgehalten wird.
Runa Islam(*1970) in Bangladesch geboren und heute in London lebend,beschäftigt sich auch in anderen Arbeiten mit der spezifischen Ästhetik des Mediums Film, mit der Wahrnehmung von Filmbildern sowie deren fiktiven Zusammenhängen. «First Day of Spring», 2005, gedreht im 16mm-Format, entstand während Islams erstem Aufenthalt nach 23 Jahren in ihrer Geburtsstadt Dhaka.Gezeigt wird eine Gruppe von Rikschafahrern, die sich auf einem Platz unter Bäumen auf ihren Rädern ausruhen. Der Film lässt in einer Reihe von fast unbewegten, farbigen und opulenten Bildern die barocke Tradition von gemalten Gruppenporträts anklingen: Weder in der Totalaufnahme noch im Close-Up eines Gesichts sind hier individuelle Personen dargestellt, vielmehr wird die anonymisierte gesellschaftliche Realität einer Berufsgruppe vorgeführt. Der dritte Film dieser Ausstellung schliesslich, «Be The First To See What You See As You See It», 2004, variiert in verschiedenen Einstellungen das Fallen und Zerbrechen einer Teekanne aus Porzellan in einem gänzlich künstlichen, musealen Kontext. Auch diese Arbeit Islams, ebenso hochgradig konstruiert und inszeniert wie die beiden anderen, changiert zwischen unzweifelhaft dramatischen Elementen bei gleichzeitiger filmischer Distanznahme

Until 
12.07.2008

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