Hans Danuser, «Auszählen - The Counting out Rhymes Project»

Hans Danuser · Auszählen - The Counting out Rhymes Project, 2008, Ausschnitt, Wandfläche 258 cm x 448 cm, Farbauftrag mittels Schablone und Wattebausch sechsfarbig über die ganze Fläche, Courtesy Galerie Luciano Fasciati

Hans Danuser · Auszählen - The Counting out Rhymes Project, 2008, Ausschnitt, Wandfläche 258 cm x 448 cm, Farbauftrag mittels Schablone und Wattebausch sechsfarbig über die ganze Fläche, Courtesy Galerie Luciano Fasciati

Besprechung

Worte und Schriftbilder, Sprache und Schrift gehören schon lange zu Hans Danusers Arbeitsmaterial. In seinem neuesten Werk nimmt der Künstler jetzt das Thema des Auszählreims auf und thematisiert damit nicht rationale Prozesse der Entscheidungsfindung.

Hans Danuser, «Auszählen - The Counting out Rhymes Project»

Mit einer Schrift-Bild-Installation an der Universität Zürich-Irchel ging Danuser 1990 erstmals auf eine Raumsituation und die darin gelehrten Wissenschaften ein. In «Frozen Embryo Series», 1996-2000, stellte er neben die fotografische Arbeit kindliche Auszählreime. Wissenschaftliche Selektionsprozesse treffen unvermittelt auf kindliche Auswählmethoden. Welche Parameter verwenden wir heute zur Entscheidungsfindung? Das Feld ist von hoher Brisanz, es zielt in Bereiche der Gentechnologie in Medizin und Landwirtschaft, stellt die Frage nach «wertem» oder «unwertem» Leben. Bei Fasciati geht er noch einmal explizit auf den Auszählreim und auf die ihm innewohnende Möglichkeit zur Entscheidungsfindung ein. Auch eine Schiefertafel wird Trägerin von Worten und Wortbildern. In der psychiatrischen Klinik Beverin gestaltete Danuser den grossen Platz im Zentrum der Klinik aus Schiefer, aus Erosionsmaterial der Gegend, die Buchstaben erschienen als Fries in den Innenräumen.
Die Bedeutung kindlicher Auszählreime, ihre zwingende Logik, ihre Überzeugungskraft, ihr einlullender Klang ist ungebrochen. Das Resultat, das beim Abzählen herauskommt, ist eindeutig und wird akzeptiert, weltweit. Danusers Material ist bunt, fantasie- und facettenreich und lässt sich in drei Bereiche unterteilen.
Bereits am Eingang der Galerie entfaltet ein 24 Meter langer Buchstabenfries einen beinahe magischen Sog. Wir lesen einen alten Auszählreim in echtem Churer Deutsch. Teil zwei der Intervention erweist sich als «Tapete»: Eine Wand, über zwei Meter hoch und fünf Meter breit, lückenlos mit Buchstaben bestückt, diesmal mit einem dänischen Auszählreim. An der dritten Wand sehen wir zwei dekorative «Schriftbilder» in verschieden farbigen Lettern.
Die Buchstaben in der Ausstellung sind alle gleich gross und unterscheiden sich nur in der Zusammenstellung der Farbtöne. Sie werden mittels Schablonen auf die Wände appliziert und entpuppen sich als anregende Sinfonie aus Rhythmus, Farbe, Wort und Schrift. Im Kabinett der Galerie wird ergänzend ein Diskurs zwischen Hans Danuser und Andrew D. Barbour, Professor für Mathematik an der Universität Zürich, gezeigt - verschiedene Ansätze zur Entscheidungsfindung in Kunst und Mathematik, wobei sich doch spannende Querbezüge herausstellen.

Until 
28.11.2008

Sonderprogramm am «Langen Samstag», 15.11., 14-02 Uhr, 18 Uhr Hans Danuser im Gespräch mit der Philosophin Ursula Pia Jauch und dem Bankfachmann Peter Wyss

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