Kunsthalle Bern, Koenrad Dedobbeleer & Rita McBride

Koenrad Dedobbeleers & Rita McBrides · Tight, Repeating Boredom, 2008, Kunsthalle Bern © ProLitteris Zürich. Foto: Dominique Uldry

Koenrad Dedobbeleers & Rita McBrides · Tight, Repeating Boredom, 2008, Kunsthalle Bern © ProLitteris Zürich. Foto: Dominique Uldry

Besprechung

«Tight, Repeating Boredom»: Unter diesem Titel zeigt die Kunsthalle Bern eine grosse Installation, die drei Arbeiten von Koenrad Dedobbeleer und Rita McBride verbindet. In der Leere der Räume entsteht eine neue Architektur - und damit eine neue Wahrnehmung des Bestehenden.

Kunsthalle Bern, Koenrad Dedobbeleer & Rita McBride

Wieder einmal beweist Kunsthallendirektor Philippe Pirotte Mut: den radikalen Mut zur Leere. Nur gerade drei, wenn auch grossformatige Arbeiten zeigt er in der neuesten Ausstellung, einer Kollaboration von Koenrad Dedobbeleer (*1975 Belgien) und Rita McBride (*1960 USA). Im grossen Ausstellungsraum steht das Dach einer klassischen Tankstelle, wie man sie von Filmen her kennt. Aber diese Architektur ist nicht einfach ein Nachbau, vielmehr beruht sie auf einer Fotografie - es wurde das Abbild einer realen Architektur imitiert. Entsprechend sind die vier tragenden Säulen in die Perspektive gerückt und verrücken den Blick. Dieser Installation von McBride korrespondiert eine zweite Dachkonstruktion: Dedobbeleer liess seinerseits den hölzernen Dachstuhl seines Wohnhauses nachbauen. Dieser durchquert zwei Räume, ist also durch eine Wand unterteilt, die Linien der klassischen Zimmermannsarbeit brechen sich. Installativ und räumlich verbunden sind die beiden Dächer durch eine wellenartige Treppe, die zu einem Auditorium gehören könnte, wobei sich in der Leere der Halle nichts abspielt - es sei denn das, was man sieht. Was man sieht: Architektur in der Architektur, Dächer unter einem Dach. So rückt unversehens einmal mehr die Architektur des Ausstellungsgebäudes selbst in den Blick; die verbliebenen leeren Räume werden selbst zu Objekten, und Dedobbeleers Dachkonstruktion erinnert daran, dass es über den Oberlichtern nochmals einen Dachstuhl hat, der zwar nicht zugänglich ist, aber architektonisch mit zum Schönsten des Gebäudes gehört.
Auf dem Dach ist im Übrigen eine Reminiszenz aus der Geschichte der Kunsthalle wieder hergestellt: James Lee Byars Vergoldung der Dachspitze. Damit verweist die Kunsthalle auf das Kunstmuseum Bern, wo zurzeit eine grosse, klug inszenierte Byars-Retrospektive stattfindet. Und die Erinnerung an Byars evoziert zugleich den performativen Charakter vieler Kunstkonzepte. Er ist in «Tight, Repeating Boredom» präsent, indem der Betrachter selbst beim Herumgehen die Perspektiven automatisch immer wieder verschiebt und den Raum neu wahrnimmt. Und die Performität taucht auch wieder auf in der kleinen Ausstellung im Untergeschoss, das vom Lausanner Künstler Aloïs Godinat (*1978) auf minimalste und raffinierteste Weise mit simpel erscheinenden Objekten bespielt wird - eine Entdeckung. Und: In all diesen strengen Formen kommt keine Langeweile auf.

Until 
29.11.2008

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