The Collections of Barbara Bloom

Barbara Bloom · Nabokov Book Covers, 1999

Barbara Bloom · Nabokov Book Covers, 1999

Hinweis

The Collections of Barbara Bloom

Etwaige Zweifel an der Radikalität postmoderner Konzeptkunst finden sich bei Barbara Blooms Arbeiten auf Anhieb bestätigt, müssen jedoch revidiert werden. Zwar greift die Künstlerin auf den traditionellen Fundus bürgerlicher Kultur zurück, demaskiert aber zugleich deren subtile Kontrollmechanismen. Die im Berliner Gropius-Bau versammelten Arbeiten sind entsprechend der Raumfolge in einzelne, thematisch definierte Kabinette unterteilt, deren Verbindung sich vor allem durch die angewandte Methode ergibt. Eines zeigt beispielsweise zerbrechliche und zerbrochene Gegenstände, deren Wert wie im Fall japanischer Keramiken durch einen reparierten Bruch gesteigert werden kann. Bloom nutzt diese Logik, indem sie Teekannen und Zierteller zerschlägt und mit Goldimplantat wieder flicken lässt. Derart veredelt suggerieren die Objekte eine besondere Bedeutung und lassen jeden Perfektionismus plump aussehen. Wie auch bei anderen Kapiteln ihrer Sammlung führen mehr oder weniger ausführliche Texte und Zitate die Betrachter in die Gedankenwelt ein, aus der dies alles entspringt. Die Texte erklären nicht nur, sondern deuten auch unterschwellige Motive der jeweiligen Kontexte an. Bloom geht es nicht um spektakuläre Enthüllung, sondern eher um perspektivische Umkehrungen und präzise Anspielungen, die es dennoch in sich haben. Paradigmatisch etwa ihre Version der in Blindenschrift gedruckten Zeitschrift «Playboy», oder Miniatur-Faksimiles der Briefe Nietzsches, mit den von seiner Schwester zensierten Stellen, die einer eigens dafür produzierten Schokoladentafel beigefügt sind.
Der Schleier, der unter dem Titel «Blushing» alle Bilder in einem der Räume wie in eine Nebellandschaft entrückt, steht auch metaphorisch für die poetische Verklärung, mit der Bloom gerne arbeitet. Literarische Techniken moderner Autoren - das ersieht man schon an der grossen Menge von Buchumschlägen, die Bloom entworfen hat - haben dabei mehrfach für Anregungen gesorgt, aber deren Transfer in das Medium der bildenden Kunst ist dennoch überraschend und in seiner Vielfalt beeindruckend. Hier wird also die kritische Avantgarde nicht zwischen Schmetterlingskästen und Thonet-Stühlen erdrückt, sondern entwickelt im konservativen Ambiente erst ihre eigentliche subversive Stärke.

Until 
08.11.2008

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