Monika Dillier und Verena Thürkauf

Verena Thürkauf · Fall, 1990/2012, Plot auf Papier (Vergrösserung im Massstab 45:1 von Original: Tuschetropfen auf Papier, 1990), Glasplatten aus dem Fundus des Kunstmuseums Olten, Installation, 200x390 cm. Foto: Serge Hasenböhler

Verena Thürkauf · Fall, 1990/2012, Plot auf Papier (Vergrösserung im Massstab 45:1 von Original: Tuschetropfen auf Papier, 1990), Glasplatten aus dem Fundus des Kunstmuseums Olten, Installation, 200x390 cm. Foto: Serge Hasenböhler

Monika Dillier · Lemur, 2003, Aquarell auf Papier, 65 x 45 cm. Foto: Serge Hasenböhler

Monika Dillier · Lemur, 2003, Aquarell auf Papier, 65 x 45 cm. Foto: Serge Hasenböhler

Besprechung

Das Sehen und das Zeigen im künstlerischen Kontext bilden den zentralen Verbindungspunkt der Doppelausstellung mit Arbeiten von Monika Dillier und Verena Thürkauf im Kunstmuseum Olten. Die Schau versucht, die Gemeinsamkeiten der sehr unterschiedlich arbeitenden Künstlerinnen herauszustellen.

Monika Dillier und Verena Thürkauf

Mit formaler Strenge gestaltet Verena Thürkauf (*1955) Reflexionen auf die Kunst und das Leben. In der Ausstellung ‹Per Se› konzentriert sich die Künstlerin auf Aussagekraft und Präsentationsformen der Kunst. Als Ausgangspunkt für das Arrangement aus älteren und neuen Arbeiten dient das Objekt ‹DA - ALLES DA›, 2005, aus der Sammlung des Museums. Es zeigt ein kleines Wandbord, auf dem aus Gips gegossene Buchstaben wie Bücher stehen, mit dem Rücken zum Publikum. Der Wortsinn ist vorhanden, aber nicht sichtbar, ähnlich wie eine Erzählung einem Buch erst durch den Prozess des Lesens und Verstehens entnommen werden kann. Vorzüglich versteht es die in Basel lebende Solothurner Künstlerin die immateriellen Bedeutungsebenen in der Kunst mithilfe raffiniert schlichter Objekte anklingen zu lassen. Dafür nutzt sie teils im Museum vorgefundene Materialien. Die erwartungsvolle Binnenlandschaft aus leeren Sockeln etwa, ‹Plenum›, 2012, die nur darauf zu warten scheinen, mit Kunst befrachtet zu werden, dabei jedoch leicht schräg stehen und somit keine verlässliche Basis bilden. Mit den Nebendarstellern des Ausstellungsbetriebs arbeitet auch die Wandinstallation ‹Fall›, 1990/2012. Drucke riesenhaft vegrösserter Tuschetropfen sind teilweise mit Glasplatten aus dem Museumsinventar bedeckt. Die verglasten Partien werden zum Spiegel für das Publikum, das in der Kunst sich selber begegnet. Die offenen Teile regen zur Reflexion darüber an, wie Wertungen in der Kunst gesetzt werden, was als schützenswert gilt, was nicht.
Weniger dicht wirkt die Schau von Verena Thürkaufs Ateliernachbarin Monika Dillier (*1947), die auf kleinem Raum Einblick in verschiedene Themenkreise zu gewähren versucht. Im Zentrum steht die Installation ‹Augenlieder›, 2012, die das Sehen als Erkenntnisprozess in Form eines Tunnels umsetzt, in den farbig schillernde Glasobjekte hineinragen und -leuchten. Der Gedanke an Platons Höhlengleichnis drängt sich auf. Die Kissen am Boden, die zur bequemen Betrachtung der Glasobjekte einladen, verweisen auf das bei Dillier immer mitgedachte körperliche Subjekt, das die Reize der Ästhetik in sich aufnimmt und die Welt des Geistes in sich entstehen lässt. Neben Beispielen zum Augenmotiv im Werk der gebürtigen Obwaldnerin sind feministisch geprägte Auseinandersetzungen mit Körperlichkeit zu sehen, etwa die Arbeit ‹Romy Schneider›, 1988, die ein Aktfoto der deutschen Schauspielerin mit einem abstrahierten Selbstbildnis kombiniert.

Until 
11.08.2012

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