Playtime

Francis Alÿs · Ambulantes (Pushing and Pulling), 1992–2002, Diaprojektion, 80 Kleinbilddias, ca 2’40’’, Courtesy Sammlung Goetz, Ingvild Goetz, München

Francis Alÿs · Ambulantes (Pushing and Pulling), 1992–2002, Diaprojektion, 80 Kleinbilddias, ca 2’40’’, Courtesy Sammlung Goetz, Ingvild Goetz, München

Anna Oppermann · Der ökonomische Aspekt, 1979-1984, Installationsansicht, The Imminence of Poetics, 30th São Paulo Biennial, 2012, Courtesy Galerie Barbara Thumm, Berlin. Foto: Nici Wegener

Anna Oppermann · Der ökonomische Aspekt, 1979-1984, Installationsansicht, The Imminence of Poetics, 30th São Paulo Biennial, 2012, Courtesy Galerie Barbara Thumm, Berlin. Foto: Nici Wegener

Hinweis

Playtime

Schöne neue Welt? Computer und Roboter nehmen den Menschen die Jobs weg - oder klauen ihnen die Zeit. Zeit zum Spielen bleibt kaum, im Gegenteil: Die einen kennen keinen Feierabend, die anderen quälen sich in täglich neuen Arbeitsbeschaffungsmassnahmen. Die Ausstellung ‹Playtime› im Kunstbau des Münchner Lenbachhauses setzt sich mit einem Thema auseinander, das alle angeht, aber im Kern schwer zu definieren ist.
Benannt wurde sie nach Tatis' gleichnamigem Film von 1967, einer zeitlos-aktuellen Persiflage der Moderne. Und sie setzt als erstes Projekt des neuen Direktors Matthias Mühling Zeichen: Neben Altmeistern wie Anna Oppermann, ‹Der ökonomische Aspekt›, und Dieter Roth, ‹Solo-Szenen›, gibt es viel junge Kunst. Zudem bereichern Musik-Videos den Kanon: Donna Summers Disco-Hit ‹She Works Hard for the Money›, 1983, und die Anti-Thatcher-Hymne ‹Opportunities›, 1985, der Pet Shop Boys. Auch Filme nehmen einen grossen Part ein: Neben Chaplins ‹Modern Times›, die den Taylorismus zur Entstehungszeit parodieren, etwa Ali Kazmas Beobachtungen in einer Autofabrik - automatisierte Effizienz, 2012.
Aber Arbeit dient nicht nur dem Broterwerb, sondern ist Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Akzeptanz. Harun Farockis Doku eines Bewerbungs-Workshop, 1997, führt vereinfachte Motivationsideologie vor, bei Melanie Gilligan, 2010, wird das zum sinnlosen Rollenspiel, in dem Arbeitslose Arbeit imitieren. Ab wann ist Lohn Schmerzensgeld? In Beate Engls ‹Burnout Machine› wird der Bürostuhl Kamikaze-Karussell. Und was kostet die Seele? Arbeit ist auch härteste Währung einer Gesellschaft, die den kategorischen Imperativ kreativer Selbstoptimierung verinnerlicht hat. Der Künstler ist quasi Musterschüler des Neoliberalismus, dabei hatte Mladen Stilinovic 1978 sein Schaffen als Verweigerung interpretiert: Er liess sich im Bett fotografieren.
‹Playtime› ist vielschichtig und breit gefächert, viel Raum bekommt die weibliche Perspektive: Das ‹Berwick Street Collective› begleitete Anfang der Siebzigerjahre Putzkolonnen - vorwiegend Frauen - durch Londons kalte Bürolandschaften und deckte krasse Arbeitsbedingungen auf. Martha Rosler führte 1975 mit wütendem Sarkasmus Haushaltsgeräte vor. Am weitesten ging Andrea Fraser 2003: Sie verkaufte einem Sammler Sex, das Tape 1/5 bekam er für seine Kollektion.

Until 
28.06.2014

Katalog als kostenloses E-Book unter: www.lenbachhaus.de

Exhibitions/Newsticker Data Tipo Località Paese
Playtime da 15.03.2014 a 29.06.2014 Ausstellung München
Deutschland
DE
Author(s)
Roberta, De Righi

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