Felix Stephan Huber in der Städtischen Ausstellungshalle Am Hawerkamp

Felix Stephan Huber · Ambient Green, 1997, Videostill

Felix Stephan Huber · Ambient Green, 1997, Videostill

Besprechung

Seine letzten Arbeiten waren Reisen in die Ferne, die durch Internetprojekte begleitet und auch inszeniert wurden. Die Ziele sind ebenso weit entfernt in der Realität wie nah in der Vorstellung: erst der Polarkreis, dann, für die documenta X, eine Beschreibung «of the Equator and some OtherLands». Felix Stephan Huber (*1957) beschäftigt sich auch in der aktuellen Videoinstallation, die erstmals 1997 in der Kunsthalle St. Gallen zu sehen war, mit dem Wechsel der Dimensionen von Innen und Aussen.

Felix Stephan Huber in der Städtischen Ausstellungshalle Am Hawerkamp

Ein städtischer Park, Sonne, frisches, leuchtendes Grün, Fussballspieler, Hunde, Hippies, Mädchen auf einer Bank, – eine Grossstadtidylle. In dieses heitere «ambient green» schleicht sich eine Geschichte ein. Verschiedene Personen geraten in den Blick, die Kamera verfolgt sie auf ihrem Weg ins Gehölz. Ich folge dem Auge der subjektiven Kamera, als wenn es meines wär. Eine Frau fotografiert mich, ein Mann kommt bedrohlich auf mich zu, verschwindet nach einer Weile wieder. Dann stehen die Bilder still – ein Schritt von mir, und es geht weiter, tiefer ins Innere des Waldes, auf den Spuren einer anderen Frau. Sie lehnt an einen Baum, wird von der Kamera umkreist, verhält sich still und doch verführerisch. Sie setzt ihren Weg fort, jetzt querfeldein durch das Gehölz, bis es eine Lichtung freigibt. Sie lässt sich nieder. Wieder der Mann – die Gleichzeitigkeit der Projektionen suggeriert Nähe. Doch ein Treffen der Figuren findet nicht statt, Begegnungen sind nur mit mir möglich. Die Spannung erfährt einen Höhepunkt, dann Ruhe, auf allen vier Wänden: Karnickel auf Rasenflächen. Eine andere Frau rennt durch den Wald, bleibt stehen, erschöpft, feuchte Strähnen im Gesicht. Der Weg führt wieder hinaus auf die Grünflächen, von denen aus ich meinen Pfad gefunden hatte.

Der imaginäre Raum, den Huber mit vier wandfüllenden Videoprojektionen entstehen lässt, entführt den Betrachter in die Welt des Kölnischen «Stadtwaldes». Fast wie im Märchen wird er an die Hand genommen, jedoch durch eine diffuse, melancholische Stimmung gefangen. Sie entsteht aus der Mischung von dokumentarischen und gestellten Bildern. Sie ähneln Traumbildern, in denen Personen agieren, zu denen wir keinen Kontakt aufnehmen können, obwohl sie durch unsere Imagination geleitet werden. Auch die Geräuschkulisse mit Originaltönen und gesprochenen Texten durchbricht nicht die somnambule Atmosphäre.

Bewegungsmelder lassen die Videos auf die Bewegung im Raum reagieren, die Lichtbilder nehmen die Silhouette des Betrachters in sich auf. Die Grenzen von Beobachter, Figur und Vorstellung verschleifen sich in der psychologisch geladenen Umgebung. In dieser «Mixed Reality» zwischen virtueller Realität und realer Virtualität gibt es keinen Bruch zwischen Medium und Inhalt. Mehr als die Simulation interessiert Huber die Realität der Vorstellungen; er nutzt das Potential des computergesteuerten Videos für die Produktion eines höchst suggestiven Raums. Die seltsame Melancholie, die sich in ihm fängt und vor allem von der Protagonistin ausgeht, ist ein bekanntes Motiv der Romantik: das Individuum in der Landschaft in stiller Selbstbefragung. Dass sich diese Befindlichkeit selbst durch die Reproduktion einer inszenierten Begegnung mit domestizierter Natur noch transportieren lässt, ist erstaunlich.

Anstatt eines Katalogs gibt es eine Netzseite: http://www.dom.de/fshuber/hawerkamp.html


Until 
17.02.1998

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