Jane und Louise Wilson in den Kunst-Werken

Jane & Louise Wilson · Changing Room, Hydrolabo; Courtesy Kunst-Werke, Berlin

Jane & Louise Wilson · Changing Room, Hydrolabo; Courtesy Kunst-Werke, Berlin

Besprechung

Die Faszination der Weltraumfahrt in ihren vielfältigen Aspekten untersuchen Jane und Louise Wilson in ihrer neuen Videoinstallation «Proton, Unity, Energy, Blizzard» und dem Film «Dream Time». Wie stets in ihren Arbeiten legen sie dabei ein besonderes Augenmerk auf architektonische Manifestationen und doppelbödige Stimmungen.

Jane und Louise Wilson in den Kunst-Werken

Schon mit ihren Videoinstallationen «Stasi City», 1997, und «Gamma», 1999, haben Jane und Louise Wilson quasi die negative Aura politisch vorbelasteter Orte untersucht. In «Stasi City» war es die ausgediente Sicherheitszentrale der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik in Ostberlin, in «Gamma» dann das geräumte amerikanische Atomwaffendepot Greenham Common, das einer filmischen Recherche unterzogen wurde. Jetzt also haben sich die britischen Zwillinge die russische Raumfahrt vorgenommen. Dazu wartet «Proton, Unity, Energy, Blizzard» mit einer aufwändigen Installation auf, die im Untergeschoss der Kunst-Werke platziert ist: Auf vier, über Eck positionierten Videoscreens wird das Kosmodrom von Baikonur im Süden Kasachstans vorgestellt. Von hier, einem Areal von der Grösse Belgiens, startete bekanntlich Juri Gagarin 1961 als erster Mensch ins All. Aber nicht nur die friedliche Nutzung der Raumfahrt wird auf dem Kosmodrom vorangetrieben, auch die militärische wird in der Wüste Kasachstans vorbereitet. Mit geschickt geschnittenen Sequenzen, suggestiven Kamerafahrten und einer eindringlichen Tonspur zeichnen die beiden Wilsons diese Spannung nach. Abschusszonen sind da zu sehen, Montagehallen, transportierte Raketen, aber auch die Weite der Wüstenlandschaft. Und plötzlich kommt eine muslimische Gedenkstätte ins Bild. So entfacht sich hier ein assoziatives Geflecht, das den uralten Menschheitstraum Raumfahrt einbindet in eine widerspruchsvolle Geschichte von imperialistischer Aggression und religiösem Glauben, von terrestrischer Landschaft und der Unendlichkeit des Alls, von männlichem Phallussymbol und technoider Glätte. Eine Etage höher dann wird der 35-mm-Film «Dream Time» gezeigt. Der Abschuss des ersten bemannten Fluges zu der Internationalen Space Station wird in diesem Streifen dokumentiert und ästhetisiert zugleich. Immer wieder soll dabei ein Aufsplitten der Leinwand in ein kleinteiliges Bildmosaik das Geschehen verdichten, um dann in einfachen Einstellungen zu münden, die mit ihrer fast monumentalen Schlichtheit zu ergreifen versuchen. Der Abschuss der Rakete stellt den Höhepunkt des Films dar, die Pressekonferenz zuvor sein Vorspiel. Der gemeinsame Nenner von «Proton, Unity, Energy, Blizzard» und «Dream Time» ist aber nicht nur das Thema Raumfahrt, sondern auch die Inszenierung von Macht. Denn diese Qualität haftet der Weltraumfahrt auch nach dem Kalten Krieg heute noch an. Bei aller Wirkkraft der eingesetzten Mittel – zuweilen scheinen die filmischen Effekte vor allem in «Dream Time» zum blossen Selbstzweck zu geraten.
Bis 15.4.

Exhibitions/Newsticker Data Tipo Località Paese
Louise Wilson, Jane Wilson da 03.02.2002 a 14.04.2002 Ausstellung Berlin
Deutschland
DE

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