Zilla Leutenegger in der Stadtgalerie

Zilla Leutenegger · Ohne Titel, 2001, Zeichnung, Farbstift auf Papier, 29,8 x 21 cm, #ZL 45/01, Courtesy Galerie Peter Kilchmann

Zilla Leutenegger · Ohne Titel, 2001, Zeichnung, Farbstift auf Papier, 29,8 x 21 cm, #ZL 45/01, Courtesy Galerie Peter Kilchmann

Besprechung

Zilla Leutenegger zeigt nach der Einzelausstellung «It’ll end in tears» in der Galerie Peter Kilchmann, Zürich, und der Gruppenausstellung «Tabu – Mavericks und heisse Eisen» im Kunsthaus Baselland zum dritten Mal in diesem Jahr neue Arbeiten in der Schweiz.

Zilla Leutenegger in der Stadtgalerie

Zilla Leuteneggers erstes Auto ist die digitale Animation eines aus dem Netz heruntergeladenen Chevrolets. In «My first car» kreist sie damit in Endlos-Schleifen über die Mondoberfläche (Kunsthaus Baselland). In «Der Mann im Mond» pinkelt sie stehend – jeglicher Schwerelosigkeit entbunden – in einen Krater und pfeift ein Liedchen (Kunsthaus Baselland). In «Forum Hotel» sehen wir sie «Mama» schreiend auf dem Dach eines der urbanen Umgebung beraubten Grossstadt-Hotels (Galerie Peter Kilchmann). Und in «oh mein papa» lässt sie sich von Gabelstaplern zu Bette tragen (Stadtgalerie Bern).

Zilla Leutenegger verflicht unterschiedliche Bildformate und Projektionstechniken, animiert Zeichnungen zu Trickfilmen und dekonstruiert Filmmaterial zu bewegten Zeichnungen. In der Schnittmenge aus Zeichnung, Film und Computeranimation entstehen die Schauplätze, in die sie sich hineininszeniert. Aufwändige digitale Blue-Box-Verfahren gehören ebenso zu ihrer Bildsprache wie die einfache analoge Montage von Video- und Dia-Projektionen und das Collagieren von statischem Bildmaterial aus Zeitschriften mit bewegten Filmsequenzen und Zeichnungen. Die Installation «oh mein papa» in der Stadtgalerie Bern setzt sich aus einer digital bearbeiteten Videoprojektion sowie mehreren Studien auf Monitoren zusammen. Zilla wird schlafend von einem Gabelstapler durch eine Kiesgrube gefahren und in die Schaufel eines Baggers gebettet. Sie verwandelt das Filmset in eine malerische Kulisse und konstruiert ein geschlossenes, rotierendes System, das undurchlässig ist für den Einbruch einer ihre Koordinaten in Frage stellenden Aussenwelt. Zilla Leutenegger setzt physikalische Gesetze und rationale Wahrnehmungsmechanismen ausser Kraft. Sie skizziert eine intime Welt, deren Protagonistin sie selbst ist und an der wir gerne teilhaben würden. Der Grenzgang, auf dem sie balanciert und rebelliert, führt zu einem codierten Gegenentwurf des tradierten Verständnisses von Zeit- und Raumabfolgen. Die Selbstverständlichkeit, mit der sie sich über alle Barrieren wissenschaftlich erschlossener Parameter sowie verinnerlichter Alltagsnormen hinwegsetzt, ist das Credo der Figur Zilla wie auch der Künstlerin Leutenegger – ein Credo an eine parallel existierende, die Realität zitierende und zersetzende Welt der Imagination.
Bis 4.5.

Eine Doppelausstellung von Valentin Carron und Zilla Leutenegger ist in der Galerie Kamm, Berlin, bis zum 13.4. zu sehen.

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