Kutlug Ataman in der Bawag Foundation

Kutlug Ataman · Never My Soul 2001, Videostill; Courtesy: Kutlug Ataman,
Lehmann Maupin, New York,
Galerie Akinci, Amsterdam

Kutlug Ataman · Never My Soul 2001, Videostill; Courtesy: Kutlug Ataman,
Lehmann Maupin, New York,
Galerie Akinci, Amsterdam

Hinweis

Kutlug Ataman in der Bawag Foundation

Der in London lebende türkische Film- und Videokünstler Kutlug Ataman, der Mitte der neunziger Jahre international bekannt wurde und seitdem an den grossen Kunstereignissen wie der Biennale Istanbul 1997, der Manifesta 2 1998, der Biennale Venedig 1999 oder der Berlin Biennale 2001 beteiligt war, geht in seinen Arbeiten der Gratwanderung zwischen Dokumentation und Fiktion nach. Was ist Wahrheit und was entsteht aus der Selbsttäuschung heraus, was wurde gelebt und was ist frei erfunden. Um diese spannungsreiche, zu den verschiedenen, kaum unterscheidbaren Polen ausschwingende Linie mit intensiven Bildern, Lebensnähe, Politik und gesellschaftlichen Anknüpfungspunkten zu füllen, lässt Ataman Menschen, zumeist Randfiguren der türkischen Gesellschaft, von sich erzählen. Alle lehnen sich gegen die traditionelle Rollenverteilung auf und versuchen auf ihre Weise, mit repressiven Normen umzugehen. In «semiha b. unplugged», 1997, beispielsweise setzt sich eine berühmte türkische, heute 92-jährige Diva in Szene. Die Dramen ihres Lebens, von denen sie erzählt, sind kaum von den Charakteren berühmter Opern zu trennen. In «Woman who were wigs», 1999, kommen vier türkische Frauen zu Wort, die aus ganz unterschiedlichen Gründen Perücken tragen. Die eine, weil sie sich seit dreissig Jahren als Terroristin versteckt, die zweite, weil sie aufgrund einer Chemotherapie ihre Haare verlor, die dritte, weil sie an der westlichen Universität kein Kopftuch tragen darf, die vierte schliesslich, weil sie eine transsexuelle Prostituierte ist, der die Polizei die Haare abschert. In «Never my Soul», 2001, steht eine türkische Transsexuelle und Dialysepatientin im Mittelpunkt.
Bis 28.4.

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