Künstlerkosmos

David Hockney, 1997, Aquarell auf Papier, 17,8 x 26,7 cm, Courtesy Gavin Brown’s enterprise, New York

David Hockney, 1997, Aquarell auf Papier, 17,8 x 26,7 cm, Courtesy Gavin Brown’s enterprise, New York

Maurizio, 1999, Öl auf MDF-Platte, 43,4 x 35,7 cm, Sammlung Nancy & Joel Portnoy

Maurizio, 1999, Öl auf MDF-Platte, 43,4 x 35,7 cm, Sammlung Nancy & Joel Portnoy

Fokus

«16 Artists» versammelt 25 kleinformatige Porträts der amerikanischen Malerin Elizabeth Peyton, die damit eine Hommage an ihre Künstlerfreunde geschaffen hat.

Künstlerkosmos

Zu den Porträts der amerikanischen Malerin Elizabeth Peyton

Nach verschiedenen Einzelausstellungen – hauptsächlich in Europa –, in denen die ikonenhaften Darstellungen von Berühmtheiten aus der Pop- und Medienwelt von Elizabeth Peyton im Zentrum standen, sind im Salzburger Kunstverein ein mehr oder weniger intimer Kreis von «Künstlern» zu sehen, die, so erfährt man, alle auch zum näheren Freundeszirkel von Peyton gehören. Rirkrit Tiravanija, feinsinnig in Buntstiften, Jake Chapman als gemalte Momentaufnahme, Jorge (Pardo) in feinen Bleistiftlinien oder Piotr (Uklanski) in relaxter Pose und opulenten roten Ölfarben.

Formal unterscheiden sich diese Porträts in keiner Weise von Peytons Politikerporträts – François Mitterand etwa oder den romantischen Helden wie Napoleon oder dem Bayernkönig Ludwig II., bzw. den ebenfalls heldenhaft überhöhten Popidolen Kurt Cobain oder Liam Gallagher. Auffallend nur, dass Elizabeth Peyton mit Ausnahme von Sharon (Lockhart) keine einzige Künstlerin in ihrem Freundeskreis zählt, und dass sie sich so selbst fast lückenlos in eine männliche Genealogie des Künstler-Dandytums integriert. Gebrochen wird diese Einbindung in ein doch paternalistisches Kunstsystem allerdings durch die durchgehende Effemination der Gesichtszüge in ihren Porträts – eine Art Idealisierung, die nicht nur die Angleichung der Porträtierten untereinander bewirkt, sondern auch die Annäherung an ein idealisiertes (Medien-)Bild. Peytons ätherische Porträts stellen den glamourösen Endzustand des perfekten, ästhetisierten Medienmenschen dar, worin wohl auch die Faszination liegt, die von diesen Bildern ausgeht. Peytons Künstler sind vielleicht nicht die besseren Künstler, aber sie sind geadelt durch eine Aura des Medialen und letztlich sind sie – wenn man sie mit ihren fotografischen Vorlagen vergleicht – auf jeden Fall die schöneren Künstler.

Elizabeth Peytons handgemalte Porträts in sogenannt «traditionellen» Techniken stehen auch in unmittelbarem Zusammenhang zu einer momentan allgemeinen Konjunktur der Malerei. Ausstellungen wie «Painting on the Move» in Basel oder «Cher peintre» in Paris (als «Lieber Maler, male mir» in Wien und Frankfurt), dokumentieren das aktuell wiedererwachte Interesse an diesem Medium. Es geht allerdings diesmal weniger um eine x-te Wiederbelebung einer vermeintlich Totgesagten, als vielmehr um die Rehabilitierung von Figürlichkeit in der Malerei. Sowohl «Cher peintre» wie auch der Part in der Kunsthalle Basel holen die gegenständliche Malerei in den aktuellen Kunst-Kontext zurück, indem sie sie in erster Linie in Verbindung zu reproduktionstechnischen Medien setzen.

Die These, die damit implizit immer mitschwingt, dass mit «realistischer» Malerei auch ein erhöhter Realitätsanspruch eingelöst werden könne, und dadurch dem Medium grössere Authentizität verliehen werde, lässt sich dagegen kaum halten. Malerei ist per se kein authentischeres Medium als irgendeines der «Neuen Medien». Im Gegenteil. Gerade die Porträts von Elizabeth Peyton deuten in ihrem einmaligen Entwurf und ihrer endgültigen Ausführung, die oft auch «genialische» Leerstellen und bedeutungsschwere malerische Motive miteinschliesst, auf einen sehr bewussten Umgang mit distanzierenden Elementen, die in einer Re-Auratisierung zum Ausdruck kommen. Den Künstlern und sonstigen Berühmtheiten haftet etwas Unwirkliches an: Piotr Uklanski ist ein Lichtwesen, das auf einem anderen Stern gedeiht. Die Bevorzugung von formaler Figuration scheint vielmehr mit einem allgemeinen Trend zu Fiktionalisierung – auch anderer Lebensbereiche – zusammenzuhängen, was beispielsweise auf der aktuellen Documenta nachzuvollziehen ist.

Da die Malerei allerdings mit einem Minimum an Kontext auskommt, bleibt sie das ideale Medium für die Inszenierung von Privatheit. Und daher rührt am ehesten der intime Charakter von Elizabeth Peytons kleinformatigen Bildern.

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