JRP Editions bei Francesca Pia

Xavier Veilhan · Skull, 2000, 75 x 48 x 48 cm, 12 Kopien signiert und nummeriert; Courtesy Centre George Pompidou

Xavier Veilhan · Skull, 2000, 75 x 48 x 48 cm, 12 Kopien signiert und nummeriert; Courtesy Centre George Pompidou

Besprechung

«Just ready to be published» stand auf einem Büchlein von John M Armleder, das der heutige Verleger Lionel Bovier zusammen mit Christophe Cherix 1995 produziert hat. JRP wurde 1997 zum Logo eines kleinen, in Genf etablierten Unternehmens, das nicht nur Kataloge, Kunst- und Künstlerbücher sondern vermehrt auch Multiples herausgibt.

JRP Editions bei Francesca Pia

Die serielle Herstellung von Kunstwerken hat eine lange Geschichte. Ob es sich dabei um Druckgrafik handelt oder um plastische Werke, ökonomische Überlegungen haben immer eine wichtige Rolle gespielt, selbst wenn, wie etwa in der Bewegung Fluxus, die Absicht dahintersteckte, die Kunst zu entkommerzialisieren. Ein Multiple ist billiger als ein Unikat und daher für eine breitere Käuferschicht erschwinglich. Bei JRP richten sich die Preise zudem nicht wie im Kunsthandel üblich nach dem Marktwert eines Künstlers, sondern in erster Linie nach den Produktionskosten.

In einer Epoche, in der wie nie zuvor die Kauflust oder -unlust jedes Einzelnen die Weltwirtschaft beeinflusst, ist es nicht erstaunlich, dass sich viele Kunstschaffende mit dem Thema Kunst als Ware, Kunst und Konsum, beschäftigen «Thamesmead 1», 2002, JRP Editions, von Liam Gillick, ein Objekt in retro-futuristischem Design, inspiriert von Stanley Kubricks Film «A Clockwork Orange», könnte ein Teil einer Stereoanlage sein. Es passt in jedes moderne Wohnzimmer und ist doch nur ein Trompe l’œil, so zwecklos, wie nur Kunst sein kann. Meistens sind Multiples auch das Resultat einer engen Zusammenarbeit zwischen Künstler, Herausgeber/Vertreiber und Hersteller, Teamwork also. «Hard Hat», 1999, zum Beispiel, ein rosaroter Filzhut mit phallischen Proportionen, wurde von Richard Hoeck und John Miller in Anlehnung an den berühmten Bonanza-Hut der siebziger Jahre entworfen und von der Genfer Modemacherin Gregoria Recio für JRP in zwölf nummerierten Exemplaren in Handarbeit hergestellt.

Bleibt die Frage: Wie können Multiples sinnvoll vertrieben werden, geht es letztendlich doch um Kunst und nicht um Billigwaren, die in einem Versandkatalog feilgeboten werden? Lionel Bovier zeigt seine Editionen in einer Ausstellung, die er auf Tournée schickt. Den «Rahmen» – oder sollte man sagen das Label – schuf ein Künstler. Stéphane Dafflon produzierte zwei Multiple-Serien, ein farbiges Eckelement aus Metall sowie flache Aluminiumplatten, bemalt mit einem unregelmässigen Oval, die an die Wand geheftet jedem Raum eine individuelle Struktur geben, in die sich die grossen und kleinen Werke, die Linolschnitte mit Tattoo-Bildchen von Fabrice Gygi, 1998, Steven Parrinos Fotocollagen, 2002, oder Valentin Carrons neuestes Objekt, ein Flaschenständer aus Holz, spielerisch integrieren lassen. Nach Wien, Paris, Berlin und Lissabon sind die JRP Multiples zum ersten Mal in der Schweiz in der Berner Galerie Francesca Pia zu sehen.
Anschliessend Galerie Eduard Mitterand, rue des Bains 52, 1205 Genève, 30.1.–8.3.

Until 
24.01.2003

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