«Dass die Körper sprechen, ...» in der Generali Foundation

Rosemarie Trockel · Manu's Spleen 3, 2001

Rosemarie Trockel · Manu's Spleen 3, 2001

Besprechung

Popkultur erweist sich als ideales
Terrain für die aktuelle Ausstellung in der Wiener Generali Foundation: Langhaarperücken, Lederkluft, falsche Gitarrensoli und vor allem ein Sound, der so gar nicht zur Inszenierung der Band im Musikvideo «Touch» passen will. Actionfilm-Regisseurin Kathryn Bigelow liess 1989 in einer rasanten Dramaturgie eine der interessantesten Musikgruppen der achtziger Jahre, die Proto-Techno-Band New Order, als gitarrenlastige «Schweinerock»-Band auftreten, wobei deren Posen der Provokation und Rebellion in theatraler Bühnentauglichkeit verpufften.

«Dass die Körper sprechen, ...» in der Generali Foundation

Ein zweites Musikvideo, diesmal von Deborah Schamoni und Ted Gaier für die deutsche Diskurs-Popband «Die Goldenen Zitronen», behandelt das angeführte Feld ebenso amüsant wie schwungvoll. Populärkultur ist neben bildender Kunst und Film (gezeigt wird u.a. Jacques Tatis Moderne-kritischer Film «Playtime») aber nur eine Ecke, aus der die präsentierten Arbeiten stammen, die zum Thema «Gesten» von Hemma Schmutz und Tanja Widmann zusammengetragen wurden. Dabei soll auf eine «ästhetische Praxis, die Irritation, Brüchigkeit und Mehrdeutigkeit als Ausgangspunkt politischer und ethischer Handlungsoptionen» versteht (so die Kuratorinnen), diskursiv verwiesen werden. Unter dem leicht irreführenden Titel «Dass die Körper sprechen, auch das wissen wir seit langem» (denn dieses «Wissen» um die Sprachen des Körpers wird nicht eigentlich, wie der Titel suggeriert, hinterfragt, sondern eher illustrativ behandelt) wird ein altes Thema der Kunstgeschichte, eben jenes der Gesten, untersucht, um es in die Postmoderne zu transferieren (wobei Gesten bereits ein paradigmatisches Postmoderne-Thema sind) beziehungsweise um zeitgenössische Kunst auf deren Gehalt hin abzufragen. Demnach stehen Arbeiten von Aernout Mik, Antje Majewski oder Thomas Eggerer für unterschiedliche Formationen von «Gruppe», während in Arbeiten von Roman Ondak oder Antoni Muntadas Handlungen politisch-symbolisch nachgestellt werden. Eine Videokopie von Jackson Pollock in Aktion beim gestischen Malen fungiert hier als Hinweis auf die «letzte heroische Geste männlicher Schöpfungskraft» (Sigrid Adorf im informativen Katalog). Demgegenüber setzen feministische Arbeiten (von Maria Hahnenkamp, Ilse Haider, Mary Kelly, Allan Kaprow, Hannah Wilke) feine Unterschiede in Bezug auf Repräsentation, Subjekt/Objekt-Verhältnis und deren Darstellung. Ein Sprechakt kann ein Kunstwerk auch erst kreieren, so, wie es John Baldessari bereits 1971 demonstriert hat. In seiner berühmten Videoperformance «I Am Making Art» stellen sich mögliche Lesarten von Kunst mit jeder Geste und jeder Artikulation des Wortes «Kunst» endlos neu ein, ohne dass sich eine bestimmte Bedeutung festlegen liesse.

Until 
24.04.2004

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