Fantastische Frauen

Frida Kahlo, Selbstbildnis mit Dornenhalsband, 1940, Öl auf Leinwand © ProLitteris. Foto: Miguletz/Schirn Kunsthalle Frankfurt

Frida Kahlo, Selbstbildnis mit Dornenhalsband, 1940, Öl auf Leinwand © ProLitteris. Foto: Miguletz/Schirn Kunsthalle Frankfurt

Fantastische Frauen

Frankfurt — Manche der 34 ausgestellten Künstlerinnen hätten wohl, lebten sie noch, ihre diebische Freude an dem Spektakel. Maskierte Besucher, der Parcours als Laufsteg für die neuesten Kreationen in Sachen Mund-Nasen-Schutz... Nachdem die Ausstellung ‹Fantastische Frauen› mit rund 260 Werken von Surrealistinnen Mitte Februar eröffnet wurde, um nur wenige Wochen später Corona-bedingt vorübergehend zu schliessen, hat sich die Szenerie in der Frankfurter Schirn mit der Wiederöffnung gleichsam ins Surreale verändert. Teil dieser Veränderung ist der unsichtbare Bannkreis von zwei Metern, der sich um jeden Gast legt: Es gilt natürlich das Abstandsgebot!

Für diese Schau, die lange im Gedächtnis haften bleiben wird, war es höchste Zeit. Erstmals dokumentiert sie umfassend den weiblichen Anteil an der breiten Strömung des Surrealismus. Die unglaubliche Vielfalt des Gezeigten verblüfft, der Fantasiereichtum, die Originalität und das hohe künstlerische Niveau der Gemälde, Papierarbeiten, Skulpturen, Fotografien und Filme beeindrucken, ja begeistern regelrecht. Natürlich entdeckt man hier und da Verwandtschaften und Ähnlichkeiten mit Werken des Pariser Surrealismus. Dieser war Ausgangspunkt der sich rasch ausbreitenden Strömung und manches war so etwas wie Gruppen- und Gemeingut, sozusagen gemeinfrei für jedermann und jede Frau: Die Écriture automatique etwa oder die Rolle des Unbewussten und das Traumprotokoll als Schlüssel zu ihm, die Bedeutung von Sexualität und von Mythologie auch. Gleichzeitig kultivierten die Surrealistinnen in ihrer Kunst einen ganz eigenen, weiblichen Blick. Und sie machten weibliche Identität selbst zum Thema wie Claude Cahun in ihren androgynen Selbstporträts. Jane Craverols ‹Heiliger Geist›, 1965, – ein Gruss an Magritte – hätte das Zeug zur Ikone: Eine Felsspalte formt die Umrissgestalt einer nackten Frau, ein Vogel im Sturzflug tritt an die Stelle des weiblichen Geschlechts.

Den fulminanten Auftakt bilden Werke von Meret Oppenheim. Eine Klasse für sich bilden auch die Gemälde von Frida Kahlo. Und so eindrucksvoll wie ausdrucksstark sind die erstaunlichen Fotomontagen Dora Maars – die wie sich hier zeigt – viel mehr war als Picassos Muse und Modell. Nicht zu vergessen die spinnwebenfeinen Tuschezeichnungen Bridget Tichenors. Oder die hinreissenden Zeichnungen von Unica Zürn. Undundund … – Den starken Abschluss bilden Werke von Louise Bourgeois.

www.schirn.de

Werbung