Sommer des Zögern — Ein Hoch auf Zürichs künstlerische Vielfalt

Installationsansicht, Sommer des Zögerns / Summer of Suspense, Kunsthalle Zürich, 2020. Foto: Annik Wetter

Installationsansicht, Sommer des Zögerns / Summer of Suspense, Kunsthalle Zürich, 2020. Foto: Annik Wetter

Installationsansicht, Sommer des Zögerns / Summer of Suspense, Kunsthalle Zürich, 2020. Foto: Annik Wetter

Installationsansicht, Sommer des Zögerns / Summer of Suspense, Kunsthalle Zürich, 2020. Foto: Annik Wetter

Sommer des Zögern — Ein Hoch auf Zürichs künstlerische Vielfalt

Zürich — Eine fiktive, unsichtbare, abwesende Betrachterin vergisst ihre Turnschuhe im Raum. Die klinisch weissen Reebocks von Jack Pryce, ‹5 decent pairs of trainers›, 2020, mit ihren schmutzigen, dunklen Schnürsenkel sind auf die zwei kleinen handgefertigten Tiere von Klaudia Schifferli mit Mundschutzmasken gerichtet, die auf einem weissen Sockel nebenan platziert sind (‹2 Skulturen (paar)›, 2020). Hinter dem schlichten Raumteiler aus einem in die Jahre gekommenen Röhrenfernseher sind sonst so oft ungehörte Stimmen einstiger Gastarbeiter zu hören. Auf dem Flachbildschirm weiter vorne ist eine junge Frau zu sehen, deren bestärkende Worte den Raum füllen: «You are sexy...you are enough»; es ist die Arbeit einer Künstlergruppe und verheisst: ‹Nusser Glazova: The Introduction›, 2020. Was man hier bestaunen kann, ist eine Fülle von Positionen und Stimmungsbilder von 43 Künstler*innen aus dem Raum Zürich. Diese bauen seit dem Ende des striktesten Lockdowns in 21 Tagen die Ausstellung des ‹Sommer des Zögerns› auf. Dienstags, donnerstags und samstags jeweils um 18:00 Uhr wird auf die Erweiterung der Ausstellung angestossen. 

Es ist auffällig bunt hier. Die Interventionen sind nicht nur sichtbar, sondern auch spürbar. Die weissen, hohen Räume der Kunsthalle präsentieren sich in diesem Sommer anders als üblich. Wo man sich sonst im denkmalgeschützten Löwenbräuareal aus rotem Backstein, einer vormaligen Brauerei, dem Ausstellen und der Vermittlung internationaler Gegenwartskunst widmet, entsteht aus dem Lockdown heraus eine angesichts der Isolation dringliche Plattform für soziale und künstlerische Vernetzung lokaler Akteurinnen und Akteure. Die finanzielle Not, unter der viele Künstler*innen in diesen Monaten leiden, ist denn auch die Triebkraft für die Kuratoren Daniel Baumann und Matthew Hanson, den Raum anders zu denken (und Unterstützung zu bieten). Ein Konzept, das ausgewählte, unterschiedliche Kunstschaffende zusammenbringt. Es bietet eine Bühne für bildende und darstellende Künste, für installative sowie skulpturale Werke, für Videoinstallationen und Fotografie. In der Mitte der grosszügigen Halle, die einem das Gefühl gibt, dass das freie Denken möglich ist, schwingt von der Decke herab ein kleiner Ball, der an einem unsichtbaren Faden befestigt ist. Landet ‹Rise and Fall›, 2015, von Sam Porritt am Boden, springt er zurück und wird wieder hochgezogen. Rund um den Ball herum entstand ein Mekka von vielfältigen künstlerischen Auseinandersetzungen in einer herausfordernden Zeit. Die Essenz der Ausstellung macht deutlich: Es geht um Diversität, Austausch und das Herstellen von Sichtbarkeit. 

Pascale Gähler, MA Kulturpublizistik, ZHdK, 2020

Exhibitions/Newsticker Data Tipo Località Paese
Sommer des Zögerns da 26.05.2020 a 13.09.2020 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Author(s)
Pascale Gähler

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