Sammeln und Ernten

Josef Rickenbacher, Sammeln und Ernten, 1956-1958, Wandrelief, Laasar Marmor, Zuger Kantonalbank, Bahnhofstrasse 1, Eigentum Zuger Kantonalbank 

Josef Rickenbacher, Sammeln und Ernten, 1956-1958, Wandrelief, Laasar Marmor, Zuger Kantonalbank, Bahnhofstrasse 1, Eigentum Zuger Kantonalbank 

Sammeln und Ernten

Public Art

Das Werk Sammeln und Ernten von Josef Rickenbacher ziert die zum Postplatz hin gerichtete Fassade des Hauptgebäudes der Zuger Kantonalbank, das 1955-1958 von Leo Hafner und Alfons Wiederkehr Architekten realisiert wurde. Das Wandrelief aus weissem Laaser Marmor stellt einen Frauentorso dar, der von einem Früchtebaum umrankt ist. Die Frau erntet mit der rechten Hand reife Früchte und legt sie in den Korb, den sie in ihrer Linken trägt. In den Blättern sitzt ein Vogel. Die voluminösen Formen sind weich und schematisch ausgebildet. Die Oberfläche der Figur, der Früchte, der Schale und des Vogels ist handwerklich fein bearbeitet, jene des Baumes aufgeraut. 

Das wohlproportionierte Wandrelief harmoniert mit der schlichten, hellen Fassade, die ebenfalls aus Laaser Marmor besteht. gleichzeitig setzt es mit der differenzierten Bearbeitung und den weichen Formen einen feinen Kontrastpunkt zur klaren, geometrischen Formensprache des Gebäudes und der glatten Wand. Das Werk entstand eigens für den Neubau der Zuger Kantonalbank. Inhaltlich nimmt es Bezug auf das Gebäude als Bank. Nach Renovation und Umbau wurde 2016 auf der Westseite der Zuger Kantonalbank, die von Julia Venske und Gregor Spänle auch aus Laaser Marmor geschaffene Skulptur Nachtwächter platziert. 

Josef Rickenbacher (1925-2004) wurde in Steinen (SZ) geboren. Von 1942 bis 1946 absolvierte er eine Bildhauerausbildung an der Kunstgewerbeschule in Luzern. Anschliessend arbeitete er im Grabmalatelier Jeker in Bern sowie bei den Bildhauern Karl Geiser in Zürich und Albert Schilling in Arlesheim (BL). 1949 übernahm er das Atelier von Fritz Wotruba in Zug. Wiederholt bezeichnet Josef Rickenbacher das freie Schaffen als «Dessert», denn «da kann man sich erholen, da trifft man sich selber, kann sich geben, wie man ist. Freies Schaffen widerspiegelt, wie es um einen steht, was du bist. Die Schwierigkeit besteht jedoch darin, dass man wirklich frei ist und sich von allem ringsum lösen kann.» Ebenso plädierte der Bildhauer immer wieder für das Risiko, das er als Freischaffender schon früh selber eingegangen war. 1983 erhielt er den Kulturpreis des Kantons Zug. Mit seinem Werk ist er im öffentlichen und sakralen Raum in der ganzen Schweiz präsent. 

Datierung 
1956
Standort 
Zuger Kantonalbank
Bahnhofstrasse 1
6300 Zug
Schweiz
Autor/innen
Jacqueline Falk
Künstler/innen
Josef Rickenbacher

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