Art Carouge — Exem und Exem plus

Exem, Non à la destruction des Bains de Pâquis, Serigrafie (Atelier Christian Humbert Drotz) 1988

Exem, Non à la destruction des Bains de Pâquis, Serigrafie (Atelier Christian Humbert Drotz) 1988

Sue Williams A’Court, Desire & Longing 21, Grafit und Öl auf Leinwand, 2017

Sue Williams A’Court, Desire & Longing 21, Grafit und Öl auf Leinwand, 2017

Art Carouge — Exem und Exem plus

Carouge/GE — In der von 1756 bis 1816 von den Sarden entwickelten Stadt vor den Toren Genfs, die viel von ihrem südlichen Charme bewahrt hat, gibt es seit Langem eine lebendige Galerienszene. Zusammen mit dem Musée de Carouge und erweitert um die auf Tierplastik spezialisierte Galerie Aubert Jansem organisiert der Verein Art Carouge nun zweimal jährlich einen gemeinsamen Eröffnungsparcours, erstmals am 3.-4. März.

Dabei kann sie gleich einem der bekanntesten Bewohner die Ehre erwiesen, nämlich Exem (*1951), der zentralen Figur der Bewegung der dessinateurs-affichistes genevois. So findet in der auf Grafik, Keramik und Schmuck konzentrierten Galerie seiner Frau Mireille Escoffier nicht nur eine Ausstellung des Künstlers zum vorläufig letzten Band (2015-2017) des seit vier Jahren von Ariel Herbez verfassten Werkkatalogs. Das Musée de Carouge zeigt vor allem sämtliche seiner Plakate, die seit den achtziger Jahren eine nicht unerhebliche Rolle im öffentlichen Leben in Genf spielen. Zusammen sind sie ein einziges szenografisches Feuerwerk seines lebenslangen Engagements für eine sozial verträgliche Politik wie auch seines grenzenlosen Enthusiasmus für die Kultur, seien es Museen, öffentliche Bibliotheken, ein Jazzfestival, ein altes Kino, ja den Heimatschutz überhaupt, und weiter volkstümliche Feste und – er ist selbst Langstreckenläufer und Rennvelofahrer – Sportanlässe. Immer wieder scheint diese bunte Welt zur Abwehr aufgerufen gegen das von Hergés Drachen im Tim und Struppi-Band ‹Der blaue Lotus› inspirierte Ungeheuer der Ökonomisierung aller Lebensbereiche in der mit einem Gentrifizierungsprozess sondergleichen konfrontierten Region. Seit der erfolgreichen Kampagne gegen den Abbruch der Bains des Pâquis taucht dieses immer wieder auf, mal als roter Tintenfisch, mal als violetter Höllenhund oder dann wieder giftgrüner Dinosaurier. Picassos Diktum «Gute Künstler kopieren, grosse Künstler stehlen» gilt überhaupt für die Figuren und die spektakulären Aufrisse des Zeichners. Über die Jahre führte diese Praxis zu solchen herzlichen Rätselbildspielen mit dem Publikum, dass Auftraggeber/-innen ihn im Voraus um Zitatlisten baten.

Um wieder auf die Galerien zurückzukommen, finden sich neben Gruppenschau ‹Force Animal› (Barye, Cartier, Jouve...) bei Aubert Jansem in der Ligne treize pastose, fast plastische Wucht annehmenden Stilleben von Olivier Saudan, im Salon vert lyrische Landschaften von Sue William A’Court  und bei Marianne Brand sensible Arbeiten in Keramik und Papier von Setsuko Nagasawa. Annick Zuffarey wird dagegen den raffinierten Schmuck von jungen Genfer Designern nur wenige Tage ausstellen, da sie mit diesem bald an eine wichtige Messe in München reisen wird. Auf der Place de Sardaigne unweit all dieser Kunstorte kann man darüber hinaus noch in Form einer Selbstinszenierung mit dem alten fotografischen Instantverfahrens Wet Collodion unter kundiger Anleitung des Fotografen Olivier Jeannin selbst bildend tätig werden.

Die Idee zu diesem Workshop kam von der wohl feinsten auf Fotografie spezialisierten Galerie der Romandie, die deshalb zuletzt den Abstecher von der Altstadt in das Industriequartier unbedingt lohnt. Es ist dies der Espace JB, der an das Labor des Fotografen und auch Fotografie lehrenden Jorg Brockmann angrenzt. Hier wird am 3.,4. März der erste Teil der intimen Arbeit ‹Château rouge› von Martin Essl eingeweiht, in welcher er um den Alltag mit seiner frisch angetrauten Frau um die gleichnamige Pariser Metrostation im 18. Bezirk herum kreist. Fein überbelichtet, rühren die Bilder an die poppigen Farben der amerikanischen Fotografie, zwischen denen jedoch ein nebliges oder milchiges Monochrom nach wie vor zu bestehen vermag. Abfall in einer Pfütze, die von einem Geländer abblätternde Farbe, Wolkenformationen und Badekleiderstreifen werden darauf, stets etwas quer inszeniert, zu Orten einer bizarren Magie.

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Exem: 40 ans d’affiches 25.01.201824.03.2018 Ausstellung Carouge
Schweiz
CH
Exem: La valse des géants 25.01.201825.03.2018 Ausstellung Carouge
Schweiz
CH

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