Hotspot am Bosporus — Istanbul Biennale und zwei neue Kunstmuseen

Monster Chetwynd, Hybrid Creatures, 2019, Skulptur (Mixed Media)

Monster Chetwynd, Hybrid Creatures, 2019, Skulptur (Mixed Media)

Ozan Atalan, Monochrome, 2019, Skulptur und Video

Ozan Atalan, Monochrome, 2019, Skulptur und Video

Ozan Atalan, Monochrome, 2019, Skulptur und Video

Ozan Atalan, Monochrome, 2019, Skulptur und Video

Hotspot am Bosporus — Istanbul Biennale und zwei neue Kunstmuseen

Istanbul — Die von Nicolas Bourriaud kuratierte Biennale bespielt unter dem Titel ‹Der siebte Kontinent› zwei Museen und die Prinzeninsel. Mit dieser Biennale, einer Gemälde- und Skulpturengalerie der Mimar Sinan-Universität, dem kürzlich eröffneten Arter Museum für Gegenwartskunst und einer starken Sammlerszene wird Istanbul zu einem neuen Hotspot des internationalen Kunstbetriebs.

Die seit 1987 von der privaten IKSV-Stiftung getragene Biennale setzt mit Nicolas Bourriaud auf einen international renommierten Kurator, der durch seine Arbeit im Palais de Tokyo in Paris und als Verfasser der vielzitierten ‹Esthétique relationnelle›, 1998, bekannt geworden ist.
Mit dem ‹siebten Kontinent› nimmt Nicolas Bourriaud Bezug auf eine schwimmende Insel aus Plastikabfall, die fünfmal grösser als die Türkei ist. Das Anthropozän, die Epoche der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen, ist für Bourriaud einerseits Schreckbild, anderseits auch Aufforderung, sich endlich mit Themen zu befassen, die bisherige Denk- und Werteordnungen radikal in Frage stellen.
Bourriaud belegt mit seiner Auswahl von 56 Positionen aus 25 Ländern, dass Kunstschaffende sich mit den Alarmzeichen einer sich selber zerstörenden Menschheit auf eigenständige Weise befassen und sich anders mitteilen als Aktivisten oder Politiker. Das Spektrum reicht von dokumentarischen Arbeiten über die Verdrängung von türkischen Wasserbüffeln (Ozan Atalan) bis hin zum Videoporträt einer ökofeministischen Priesterin (Suzanne Husky).
Die Mehrheit der Arbeiten ist in zellenartigen Museumsräumen der Mimar Sinan- Kunsthochschule zu sehen. Sie befinden sich im Endausbau und wurden erst kurz vor Eröffnung als Austragungsort bestimmt. In diesem zukünftigen Museum für Gemälde und Skulptur, das 2020 eröffnet wird, ist zwar reichlich Platz vorhanden, nur kommen die Arbeiten aufgrund der uninspiriert aufgereihten Zellen untereinander leider nicht ins Gespräch.
Noch 1999 hatte Ugo Rondinone im Herzen der Stadt am Taksim-Platz eine Neonschrift in den Regenbogenfarben der LGBTQ-Community zu setzen vermocht. Seither hat sich die Biennale weitgehend aus dem öffentlichen Raum zurückgezogen. Eine der wenigen Ausnahmen an der diesjährigen Biennale bilden die grotesken, sich vor einer verfallenen Villa auf der Prinzeninsel tummelnden Tier-Mensch-Kreaturen der britischen Künstlerin Monster Chetwynd.
Das zum Biennalenbeginn eröffnete private Arter Museum für Gegenwartskunst setzt architektonisch und inhaltlich Standards, die jede Weltstadt neidisch werden lässt. Eine überblicksschau mit Ankäufen von Privatsammlern im Rahmen der Kunstmesse „Contemporary Istanbul“ belegte, wie lebendig die aufstrebende türkische Kunstszene ist. Istanbul als Kunst-Hotspot – was bereits 2013 im Zürcher Haus Konstruktiv postuliert wurde, ist also ganz real.

https://bienal.iksv.org/en

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
16th Istanbul Biennial 2019 14.09.201910.11.2019 Grossausstellung/Festival Istanbul
Türkei
TR
Autor/innen
Peter Stohler

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