Lotta Gadola — Traces in Sight

Lotta Gadola, Traces in Sight, 2021, Ausstellungsansicht Kunsthalle Luzern. Foto: Kilian Bannwart 

Lotta Gadola, Traces in Sight, 2021, Ausstellungsansicht Kunsthalle Luzern. Foto: Kilian Bannwart 

Lotta Gadola, Traces in Sight, 2021, Ausstellungsansicht Kunsthalle Luzern. Foto: Kilian Bannwart 

Lotta Gadola, Traces in Sight, 2021, Ausstellungsansicht Kunsthalle Luzern. Foto: Kilian Bannwart 

Lotta Gadola, Traces in Sight, 2021, Ausstellungsansicht Kunsthalle Luzern. Foto: Kilian Bannwart 

Lotta Gadola, Traces in Sight, 2021, Ausstellungsansicht Kunsthalle Luzern. Foto: Kilian Bannwart 

Lotta Gadola — Traces in Sight

Luzern — Der Körper wird nicht nur gezeichnet von den Spuren der Zeit, sondern auch von der Gesellschaft. Nachahmung und Wiederholung hinterlassen Gedächtnisspuren, welche das Nervensystem verändern. Gesten und Posen reproduzieren und verstärken kulturelle Botschaften und werden so zu Zeichen der Identität und des Habitus. Themen, welche die Ausstellung ‹Traces in Sight› in der Kunsthalle Luzern berührt sowie die gleichnamige Erstpublikation der Reihe ‹Junge Kunst›, die in Kooperation mit der Kommission Bildende Kunst der Stadt Luzern entstanden ist.
In Auseinandersetzung mit Jugendlichen im öffentlichen Raum, Sozialen Medien und Werbefilmen geht Lotta Gadola (*1991) dem Wechselspiel von Identitätsmarkierungen und Markenidentität nach. Die monumentale Wandprojektion zeigt überlebensgross die Künstlerin, wie sie auf einer Drehscheibe stoisch in Posen verharrt. Performances, die einerseits an Skulpturen aus dem Bereich der bildenden Kunst erinnern, andererseits an 3D-Modelle des Produktdesigns. Dramatisch wird ein ikonisches Logo auf den Körper gemalt, ja geradezu in den Körper geritzt, was an Symbole und Rituale der Stammeszugehörigkeit gemahnt. 
Aktivistische Sprüche an den Wänden, wie «When you end up being represented», entpuppen sich als Werbeslogans eines Sportartikelherstellers, die als solche nicht ohne Ironie sind. Individualität und Diversität schlägt durch ihre Kommerzialisierung in Konformität um. Sozial- und Künstlerkritik werden vom «Neuen Geist des Kapitalismus» aufgenommen, um noch widerstandsfähiger zu sein. 
Auf diese Dialektik von Abnabelung und Anpassung sowie von Appropriation und Reappropriation verweisen auch Gadolas Fotografien leerer Orte mit repräsentativer Architektur. Ecken, die zum «Cornern», also zum gemeinsamen Verweilen genutzt werden und mit der Zeit zu Szene-Hotspots werden. Und wo die ambivalente soziale Dynamik performativer Abgrenzung gegen Aussen und Zugehörigkeit im Innern eingeübt werden. Gentrifizierung und Privatisierung des öffentlichen Raumes durch städtische «Aufwertungspolitik» trifft auf subkulturelle Symbolpolitik im temporären Freiraum. Leerstellen der Gemeinschaft, die in ihrer Absenz eine umso stärkere Präsenz aufweisen. «The Community I Live In» – so der Slogan. 

Kunsthalle Luzern, bis 30.5.; Medientheoretikerin Doris Gassert, Kurator Michael Sutter im Gespräch mit Lotta Gadola, 30.5., 15 Uhr

Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Lotta Gadola — Traces in Sight 17.04.202130.05.2021 Ausstellung Luzern
Schweiz
CH
Künstler/innen
Lotta Gadola
Autor/innen
Michel Rebosura

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