Roman Signer

Roman Signer in seinem Atelier in St. Gallen, März 2016

Roman Signer in seinem Atelier in St. Gallen, März 2016

Roman Signer · Tisch mit Weinflasche, 2005

Roman Signer · Tisch mit Weinflasche, 2005

Hinweis

Roman Signer

Der Appenzeller Künstler Roman ­Signer musste einen Umweg über China machen, um in Italien erstmalig mit einer Einzelausstellung geehrt zu werden. 2014 wurden vom Chronus Art Center in Schanghai/CAC, einer Non-Profit Organisation für Neue Medien, und dem Kurator Li Zhenhua zweihundert Filme Signers für eine Wanderausstellung durch mehrere Städte Chinas zusammengestellt.
Der in Peking und Zürich lebende Li Zhenhua hat nun gemeinsam mit Lorenzo Giusti, dem Leiter des Museums MAN im sardischen Nuoro, eine Schau erarbeitet, die, unterstützt von Pro Helvetia und CAC, neben 205 Super-8-Filmen Signers aus den Jahren 1975 bis 1989 auch drei Installationen zeigt, die sich der Künstler zu diesem Anlass ausgedacht hat. Im Treppehaus des MAN fallen aneinandergereihte Regenschirme vom Himmel, ein Saal ist so mit brusthohen Sperrholzwänden verstellt, dass das Publikum sich gegenseitig ins Gesicht sieht, und ein schnurrender Projektor wirft sein Licht durch eine Schatten werfende Sonnenbrille.Die 205 winzigkleinen Super-8-Filme, mit ihrer Laufzeit von höchstens 3 Minuten, halten Unwiederbringliches fest. Es sind sehr einfache Filme, ganz im Dienst der Ereignisse: Stühle fliegen aus Fenstern, ein Tannenbaum brennt, ein Ballon platzt. Auf das klassische Knattergeräusch der Super-8-Projektoren muss man allerdings bei dieser digitalisierten Vorführung verzichten. Man sieht Signer mit einer Strickmütze, die mit einem Feuerwerk verbunden ist. Das Feuerwerk wird angezündet, schiesst in die Luft und reisst ihm die Mütze vom Kopf. Seine Experimente halten einen immer in Atem, sind nicht voraussehbar, manchmal sogar gefährlich. So geht er einmal über einen gefrorenen Teich und ertrinkt fast, als das Eis bricht.
Manchmal ist alles gut vorbereitet, aber es kommt nicht zur Aufführung, wie in der Arbeit ‹Raketenkreis›, bei der 16 Feuerwerkskörper bereitstehen, aber nicht gezündet werden. Das wirkt bedrohlich. Auch eine aufgeblähte Plastiktüte, die von Ventilatoren durch den Raum gejagt wird, beunruhigt.
Nebst dem Katalog zur Ausstellung hat das Museum MAN eine DVD produziert, die Arbeiten von Signer zeigt, die während seiner Reisen durch Italien entstanden sind. Wir sehen, wie er den Schlauch eines Autoreifens zum Krater Stromboli hinaufträgt, um ihn dann zwecks Vulkanisierung in den feurigen Schlund zu rollen.
Die Schweiz besitzt keine Vulkane, aber wie es aussehen würde, wenn ein kleiner Berggipfel im Kanton Appenzell aktiv würde, zeigte Singer 1986 mit einer Pulverexplosion samt Feuerschein und Rauchwolke. Vieles von dem, was Signer vorführt, würde man gerne selbst einmal ausprobieren. Es wird Zeit, dass ein «Signer-Set» für angehende Künstler/innen in den Handel kommt.

Until 
03.07.2016

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