Gustav Metzger in der Generali Foundation

Gustav Metzger · Historic Photographs, vorne: To Crawl Into - Anschluss, Wien, März, 1938; hinten: To Walk Into, Massacre on the Mount, Jerusalem, 8. November, 1990, beide 1996, Foto: Werner Kaligofsky

Gustav Metzger · Historic Photographs, vorne: To Crawl Into - Anschluss, Wien, März, 1938; hinten: To Walk Into, Massacre on the Mount, Jerusalem, 8. November, 1990, beide 1996, Foto: Werner Kaligofsky

Besprechung

Mit Gustav Metzger stellt die Wiener Generali Foundation wohl einen der schwierigsten und bis heute unbekanntesten Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus. Als Verfasser von Manifesten oder als Umweltkritiker ist Metzger des Längeren schon bekannt und geschätzt, wenn auch nicht ausschliesslich in Kunstkreisen, sondern vorwiegend bei engagierten und bewegten politischen Aktivisten.

Gustav Metzger in der Generali Foundation

Umso überraschender daher, dass ausgerechnet ein westlicher Versicherungskonzern diese «schillernde Figur» (wie im Pressetext bezeichnet), die bereits als Ikone der Kapitalismuskritik gilt, zum ersten Mal in einer so umfassenden Ausstellung zeigt. Gustav Metzger wurde 1926 in Nürnberg geboren, er kam 1939 als Flüchtling nach England und lebt seit vielen Jahren in London. Metzger importierte die Idee von Zerstörung und Destruktion in die westliche Kunst (er besuchte verschiedene Kunstklassen in England), beziehungsweise thematisierte das Zerstörungspotenzial westlicher Industriegesellschaften, wie es beispielsweise mit der Erfindung der Atombombe virulent wurde. Seinem ersten Manifest über «Auto-Destructive Art» von 1959 folgten viele weitere, die auch ihre Wirkung auf ein grösseres Publikum hatten. In diesem Zusammenhang kommt Metzger sicherlich auch die Rolle eines Vorläufers der Protestbewegungen der sechziger Jahre zu.

Eine seiner wichtigsten Aktionen fand 1966 mit dem «Destruction-in-Art-Symposium» in London statt, an dem einige damals noch weitgehend unbekannte Künstler, darunter auch die Wiener Aktionisten, Yoko Ono oder Wolf Vostell, teilnahmen. Metzger engagierte sich später auch als Umweltaktivist, aber genauso auch als Kritiker und Beobachter westlicher Medien. Neben umfangreichen Dokumentationen zu den Symposien und Manifesten, sind in der Wiener Ausstellung auch einige von Metzgers Zeitungsprojekten zu sehen, wo verschiedene Ausgaben einer (Boulevard-)Zeitung jeden Tag ergänzt werden und so laufend eine bestimmte Form von Öffentlichkeit in Frage gestellt wird. Daneben wird mit den «Historic Photographs» vor allem eine eindrückliche jüngere Werkgruppe gezeigt, deren Anfänge in die neunziger Jahre zurückreichen. Dabei handelt es sich um Arbeiten, die in einer radikalen Bildpolitik zur Problematisierung von Darstellbarkeit historischer Gräueltaten, von Verschwinden und Auslöschung, Stellung beziehen, indem deren Bildinhalt vor den BetrachterInnen versteckt wird, oder nur unter erschwerten Bedingungen eingesehen werden kann. So beispielsweise bei «To Walk Into, Massacre on the Mount Jerusalem, 8 November, 1990» von 1996, einer Schwarzweiss-Fotografie, die von einem Leinenstoff abgedeckt wird, so dass man hinter den Vorhang schreiten muss, um die Fotografie - aus nächster Nähe dann - anzuschauen. Metzger versteht seine Arbeit dabei als öffentliche, sozialisierte Kunstform, bei der es immer auch darum geht, ein neues Publikum mit politischen Inhalten zu konfrontieren.

Until 
27.08.2005

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