"Flashback - eine Revision der Kunst der 80er Jahre" im Museum für Gegenwartskunst

Krzystof Wodiczko · The Hirshhorn Projection, Washington D.C., 1989

Krzystof Wodiczko · The Hirshhorn Projection, Washington D.C., 1989

Hinweis

"Flashback - eine Revision der Kunst der 80er Jahre" im Museum für Gegenwartskunst

Die Achtzigerjahre, schrieb ein Kritiker vor kurzem, sei die Zeit gewesen, als die Abstände verloren gingen. Er schrieb dies anlässlich der Dekadenrevision im Basler Museum für Gegenwartskunst, die das 25-jährige Bestehen des Hauses mit einem Rückblick auf die Szene seiner ersten Zeit feiert. Von John Armleder über Martin Kippenberger bis Jeff Wall ist dort ein breites Spektrum internationaler Künstler vertreten: Styling-Kunst und neoexpressionistische Figurenmalerei, fotografische Inszenierung und neudeutsche Antikunst. Die Schweizer Szene ist mit Helmut Federle, Fischli und Weiss und einigen anderen repräsentiert. Ein teilweise etwas diffuser Überblick, der sich in der Aufzählung einzelner Positionen verzettelt. Man hätte sich durchaus ein geringeres und dafür entschiedeneres Aufgebot vorstellen können. Ohne Zweifel aber ist die Revision einer gerade erst "historisch" gewordenen Kunst ein sinnvoller Versuch, den eigenen Standort zu bestimmen. - Was aber waren die Abstände, die in dieser Kunstepoche verloren gingen? Vielleicht war es der Abstand zu dem, was vorher war, vielleicht auch der Abstand zur unbeschränkten Kommerzialisierung der Kunst. Ins Auge fällt jedenfalls, dass in dieser Zeit eine permanente Repetition und Umformulierung von schon Vorhandenem begann, eine künstlerische Ideenaufbereitung, die sich - von technischen Neuerungen bereichert - bis heute fortsetzt. So gesehen ist die Epoche der Achtziger nicht zu Ende, sie hat nur eine rasante Beschleunigung erfahren.

Im Rahmen der Ausstellung verwandelt der polnische Künstler Krzysztof Wodiczko (*1943), der seit den Siebzigerjahren zu den prominentesten Vertretern einer Kunst im öffentlichen Raum gehört, das Museum in ein "Gegenmonument". Für Wodiczko sind öffentliche Projektionen seit 1981 zu seinem zentralen Medium geworden. Er projiziert auf kulturelle und politische Monumente Bilder und Stimmen von politisch und sozial Ausgeschlossenen. In Basel wird er illegalen Migranten für einen Abend eine Stimme verleihen. Vier Personen werden, riesenhaft projiziert, auf dem Kunstmuseum sitzen, dieses besetzen und über ihre prekäre Situation sprechen. Als Live-Übertragung wird ihr Gespräch zur Kommunikation mit Passanten. Ausstellung bis 12.2.; "Gegenmonument" am 7.2., Künstlergespräch im Rahmen von "Künstler-Reden" im Kunstmuseum am 10.2.

Until 
11.02.2006

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