Xerxes Ach und Silvia Gertsch in der Kunsthalle

Xerxes Ach · Transformed, 1997,
Kunsthag, Pigment auf Aluminium, 90 x 83 cm; Foto: Reinhard Zimmermann

Xerxes Ach · Transformed, 1997,
Kunsthag, Pigment auf Aluminium, 90 x 83 cm; Foto: Reinhard Zimmermann

Besprechung

Der Hinterglasmalerei von Silvia Gertsch (*1963) und den Farbräumen von Xerxes Ach (*1957) widmet die Kunsthalle Burgdorf eine Ausstellung. Hinter den auf den ersten Blick monochromen Werken von Ach kommt eine feinnervige Malerei zum Vorschein.

Xerxes Ach und Silvia Gertsch in der Kunsthalle

Die neuen Bilder von Ach, die «Colorscapes», scheinen der Farbpolitik von Björks «Post»-Plattencover erstaunlich nahe zu sein. Diese erste Assoziation verflüchtigt sich aber bei näherer Betrachtung. Ach führt in eine an und für sich traditionelle Bildkonzeption mit ihrem Schichtaufbau (Lasur) und den daraus entstehenden optischen Effekten lediglich eine Palette synthetischer Farben ein. Zwar verleiht der Aluminiumträger der Malerei eine gewisse Härte, sie ist aber letztlich ziemlich untechnoid. Der zur Anwendung gebrachte Klarlack sorgt für eine weniger buchstäbliche als unterschwellige Transparenz. Sie soll die Differenzierungsfähigkeit der Wahrnehmenden ansprechen. Obwohl die Arbeiten einem oberflächlichen Blick ein einheitliches Farbfeld darzubieten scheinen, ist dieser klassische Topos der Kunstgeschichte hier nicht ausschlaggebend: Es geht nicht um Monochromie. Vielmehr handelt es sich um die Ausdifferenzierung nach Tonalitäten in der Wahrnehmung, ums Gewahrwerden der Unterschiede im Auftrag und der Innenzeichnung - die übrigens wegen der Diffusität nie ganz eindeutig scheint. Zwar werden die Gestik und der Farbauftrag mit etwaigen visuellen Spuren bei Ach nie thematisch, zwar ergibt der Klarlack der Malerei eine abweisende bis undurchdringliche Qualität, aber wegen der Überlagerung von Farben bzw. von unterschiedlich pigmentierten Farbschichten, ist der Arbeit ein illusionistischer Rest eingeschrieben.

In den inneren Fluktuationen der Arbeit zeigt es sich, dass es tatsächlich Räume sind, nicht zuletzt auch deshalb, weil sich der Umraum in der Oberfläche spiegelt. Bedeutsamerweise verweisen die synthetischen Farben nicht auf die Oberfläche der natürlichen Objektwelt, sondern eher auf eine bereits reproduzierte, abgebildete und manipulierte, kurz: einer bereits zum Bild gewordenen Objektwelt und schliessen deshalb kurz mit, wie man sagen könnte, einem medialen Gedächtnis. Die unmittelbare Nähe zu den Arbeiten von Ach bekommt auch der Hinterglasmalerei von Gertsch. Fern davon, lediglich als atmosphärische Impressionen von Motiven wie Kugeln, Neonleuchten oder PW-Scheinwerfern in der Nacht (miss-)verstanden zu werden, erweist sich die diffuse Raumqualität als ein kritisches Instrument (und nicht als Endzweck). Die Wahrnehmung pendelt zwischen einer benennbaren Referenz und einem sie umhüllenden Raum, ohne dass das eine dem anderen untergeordnet werden könnte. Im Zusammenhang des Problems der »symbolischen Ordnung« (Panofsky) von Körpern im Raum war die Perspektive einst aufgerufen, Objekte und den Raum unlöslich miteinander zu verbinden. Bezeichnend in diesem Kontext, dass Gertsch immer wieder räumliche mehrdeutige Lichtszenerien thematisiert. Denn gerade hier greift der uns gewohnte Kode der Perspektive nicht mehr restlos, wird doch die Bedingung der Sichtbarkeit selbst ins Spiel gebracht. Katalog.


Until 
03.07.1998

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