Andreas Slominski in der Kunsthalle

Andreas Slominsky ? Helgoländer Winkelreuse, 1998; Foto: Alexander Troehler, Courtesy Kunsthalle Zürich

Andreas Slominsky ? Helgoländer Winkelreuse, 1998; Foto: Alexander Troehler, Courtesy Kunsthalle Zürich

Besprechung

Slominski ist ein Meister der pointierten Geste, des hinterlistig-witzigen Verrückungsspiels, des abseitigen, gleichwohl treffenden Einfalls. Seine ersten Preise hat der im Emsland geborene Künstler (*1959) mit dem präzisen Nachbau leerer Abreisskalender sowie mit «skulptural» gestapelten Staub-, Spül- und Wischtüchern errungen. Für seine erste Schweizer Einzelpräsentation hat der Querkopf und Überkreuzdenker die Kunsthalle nun in einen regelrechten Fallenparcours verwandelt: Watch your step and mind your head!

Andreas Slominski in der Kunsthalle

Es sieht aus, als hätte ein kurioser Sammler vom Schlage Lothar-Günther Buchheim sich endlich einmal den Wunsch einer Ausstellung seiner schönsten Nager-, Vogel- und Insektenfallen erfüllt. Und siehe da: Im Kunstraum werden die grünen Netzgitter der «Klappennetzfalle», die dem Fliegen ein abruptes Ende setzen sollen, selbst zu poetisch leichten Flügelschwingen.

Die Schlote aus Rohrbast, die um den massiven Kubus duftender Strohballen stehen und für unvorsichtig pickende Birkhühner bestimmt sind, entwickeln bei allem ruralen Touch machtvolle Vertikalen. Und die Weidenrutenspirale, wo Füchse immer weiter voran, dann aber nicht mehr zurück können, ist bei all ihrer unentrinnbaren Tödlichkeit zugleich von einer verschärften Formschönheit. Das Repertoire des Fallenstellers Slominski – bereits seit seinen Hamburger Hochschuljahren 1983–86 ein unermüdlicher Fallensammler und -bastler – scheint schier unerschöpflich: Die Bandbreite reicht von simplen Pappkartons mit untergestreutem Vogelfutter bis zur riesigen «Helgoländer Winkelreuse», die auch für Menschenfang geeignet scheint. Von einer harmlosen Rinne, in die Schnecken kullern sollen, bis zur brutalen Spiessfalle, deren Speerspitzen den Raubvogel im Sturzflug auf den Köder durchbohren. Nie weiss der ahnungslose Städter so recht, ob es die List und Perfidie eines «echten» Fallenbauers oder des Künstlers selber war, die zu solch tückischen Ergebnissen geführt hat. Sicher ist nur, dass sie immer wieder ironische Kommentare zur Geschichte der Boden- und Wandskulptur seit der Minimal Art geben. Doch Slominskis mal luftige, mal lastende Fall(en)studien mit Hinterhalt und doppeltem Boden können noch weit mehr einfangen als Ratten, Dachse, Schmetterlinge oder Kunstgeschichte. Sie treiben auf die Spitze, was Andreas Slominski schlussendlich in der Kunst sucht: «das Leben». Sie realisieren es als heitere bis gnadenlose Zeit der Jagd, als Schauplatz wechselnder Täter und Opfer, als Prüfung für Geist und Körper. Vorsicht ist geboten, denn: «Der Köder muss nicht immer aus Speck bestehen» (Slominski). Ein seltsam starrsinniges Klavier oder ein beschnittener Sombrero tun es auch.


Until 
17.10.1998
Author(s)
Ralf Beil
Artisti
Andreas Slominski

Werbung