Franz Ackermann in der Kunsthalle Basel

Franz Ackermann · Faceland II (You better keep the light on), 2002; Foto: Serge Hasenböhler

Franz Ackermann · Faceland II (You better keep the light on), 2002; Foto: Serge Hasenböhler

Besprechung

Unter dem verführerischen Titel «Eine Nacht in den Tropen» hat der Berliner Künstler Franz Ackermann jetzt in der Kunsthalle Basel eine gross angelegte Reise durch sein multimediales ?uvre inszeniert. Das zentrale Thema: der Tourismus, seine Reize, aber vor allem die durch ihn verursachte Zerstörung von Welt.

Franz Ackermann in der Kunsthalle Basel

Bereits der Philosoph Theodor W. Adorno befürchtete, dass die kitschigen Präsentationen von Landschaft dieser mehr schaden, als ihre «tatsächliche» Zerstörung durch Industrie und Umweltverschmutzung. Der Kitsch nämlich vernichte noch das «Imago» der Welt. Franz Ackermann spitzt in seiner aufregenden Ausstellung «Eine Nacht in den Tropen» diese Fragestellung konsequent zu – ohne dabei zu vergessen, dass die Klischeeschmieden der Tourismusbranche nur deshalb erfolgreich sind, weil sie in der Lage sind, mit ihren Images kollektive Sehnsüchte nach Ferne und Exotik zu formulieren. Der Gegensatz von medial vermittelter und «authentischer» Erfahrung ist dann auch eine sich gegenseitig bedingende Polarität, die der Präsentation mit unterschiedlichen narrativen Strängen eingeschrieben ist. Zum Beispiel ist in der «Nacht in den Tropen» die frühe Dia-Installation «All the places I’ve never been to», 1998, zu sehen, die in schneller Abfolge die Titelblätter diverser Tourismusprospekte zeigt. Die stereotypen Klischees all der Länder, die Franz Ackermann noch nicht besucht hat, werden hier farbenfroh an die Wand geworfen. Statt, wie sonst in vergleichbaren Diashows üblich, von seinen Urlaubseindrücken zu berichten, stellt der Künstler also lediglich das von den einschlägigen Prospekten «vorgeschriebene» Konzentrat dieser Reisen vor. Ob hier allerdings überhaupt noch ein Unterschied auszumachen ist, dies bleibt in der Arbeit offen.

Unmittelbare Erfahrung dagegen steht bei den so genannten «Mental Maps» auf dem ästhetischen Masterplan. Diese kleinformatigen Zeichnungen hat Franz Ackermann während seiner ausgedehnten Reisen direkt vor Ort angefertigt. Sie sind mit ihrem direkten, ja expressiven Duktus und den zwischen Realistik und Abstraktion angesiedelten Darstellungen gleichsam visuelle Tagebücher, die so präzise wie poetisch eine aktive Rezeption von Fremde nahe legen. In der Ausstellung werden die zahlreichen «Mental Maps» dann immer wieder mit konzeptionellen Fotos konfrontiert, etwa der neuen Serien «Ruins I + II», 2001/2002, welche die Schaufenster aller Reisebüros Berlins vorstellen. Die Reise wird so als käufliche Ware kenntlich, deren globale Vermarktungsstrategien kaum noch Grenzen oder Rücksichten akzeptieren. Beinahe nebenbei zeichnet Franz Ackermann in seinem intelligent angelegten und wahrhaft berauschenden Parcours in der unteren Etage der Kunsthalle ein Stück Tourismusgeschichte nach: Die Videoinstallation «Prora: Permanent weekend plus extra free days», 1998–2002, zeigt den Blick aus einem Fenster einer nationalsozialistischen Ferienanlage – ein genormtes Stück «Kraft durch Freude» in Gestalt der lieblichen Ostsee. Dieses vergleichsweise frühe Zeugnis massenhaften «Tourismusses» wird an anderer Stelle der Show mit einem Schwarzweissfoto gegengelesen, das Danny Tito in den Mittelpunkt stellt, also den ersten Weltraumtouristen, der um die letzte Jahrwende für aufgeregten Medienrummel sorgte. Und wohl eine neue Dimension des scheinbar vergnüglichen Reisens einläutete. Mit Katalog.

Bis 10.3.

Werbung