Daniel Roth an der Art Unlimited Basel

Daniel Roth · «701XXKA (Detail)», Schloßberg Stollen, Fotografie: 46 x 67 cm; Courtesy Grazer Kunstverein

Daniel Roth · «701XXKA (Detail)», Schloßberg Stollen, Fotografie: 46 x 67 cm; Courtesy Grazer Kunstverein

Besprechung

Die Gespenster und Geister unserer unaufgeklärten Vorstellungswelt galt es einst zu vertreiben: die Nachtmahre und Schauergeschichten des 19. Jahrhunderts, von Johann Heinrich Füssli oder E.T.A. Hoffmann. Nun sind sie wieder da, ein bisschen zumindest, bei Daniel Roth und bei einer ganzen Reihe von jüngeren Künstlern, als zurückgekehrte Boten einer längst vergangen geglaubten Zeit.

Daniel Roth an der Art Unlimited Basel

Unheimliche Momente und konspirative Weltverschwörungstheorien sind jedenfalls die Elemente, aus denen Roth, deutscher Künstler aus dem Schwarzwald (*1969) seine Ausstellungen schustert. Die Welt da draussen ist ein unerklärliches Etwas, aber alles hängt irgendwie irgendwo zusammen, wenn nur die diversen Anschlüsse und versteckten Hinweise erstmal aufgedeckt sind. So müssen wir uns denn mit dem Künstler auf eine verwirrende Spurensuche begeben, die Spurensuche nach einer verlorenen Geschichte.

Die Ausstellung «701XXKA», die bis Ende Mai im Grazer Kunstverein zu sehen war
und die nun bei der Art Unlimited in Basel gezeigt wird, gestaltet sich formal als ein Rundgang durch verschiedene Medien. Es beginnt mit der Fotografie eines Grazer Stollens, geht über zur Wandzeichnung einer imaginären Landschaft, vorbei an einem Foto von einem Londoner Schneiderkontor, weiter zu einem geheimnisvollen «Thermal Bath of The Naked Truth» in Weissrussland; schliesslich kommt ein Plexiglasrahmen, in dem ein Holzbündel hängt, das wiederum vermutlich bei jenem Londoner Schneider bestellt worden war, um in eine finale Diainstallation zu münden, die von Kommunikationsmasten, Eis, Schnee, Bergen und verlorenen Spuren erzählt. Nun: man wird den Eindruck nicht los, dass dieses ganze «Verschwörungsszenario» einer vollkommen willkürlichen privaten Obsession folgt, und weniger, wie in den Interpretationen anklingt, eine Kritik an modernistischen Darstellungskonventionen ist. Das ganze Setting überzeugt zwar durch professionelle Inszenierung in den einzelnen Medien, bleibt aber inhaltlich von vager Beliebigkeit und konventioneller Angepasstheit gegenüber den Verwertungs- und Verkaufsmechanismen des internationalen Galerienbetriebs.

Ein bisschen Spektakel: Dies alles erinnert ein wenig an eine Geisterbahn aus vormoderner Zeit, wo den grossen weltgeschichtlichen Ereignissen und Erfindungen nurmehr hohles Geschepper entgegentönte. Heute kann der Weltverschwörung da draussen gerade mal die eigene Paranoia entgegengesetzt werden. Es ist die Kunst einer Vorstellungswelt, die hinter jedem Bauzaun den Zugang zu einer mysteriösen Unterwelt und hinter jeder Gartentür den Anfang eines häuslichen Dramas sieht. Allein, die Produktionsweise ist avanciert, die Paranoia schaut wenigstens gut aus.

Until 
22.06.2003

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