Neueröffnung Kölnischer Kunstverein

Július Koller · U.F.O.-Naut J.K. (UFO), 1970

Július Koller · U.F.O.-Naut J.K. (UFO), 1970

Besprechung

Mit einer programmatischen Ausstellung wurde der Kölnische Kunstverein Mitte Mai nach mehreren Monaten Schliessung an einem neuen Standort wiedereröffnet: «Wir müssen heute noch an Ihr Vorstellungsvermögen appellieren, um im Namen der Kunst vor- und rücksichtslos den Raum zu behaupten, in den Sie oder wir uns gedrängt haben. Mit welchem Recht, fragen Sie jetzt sicherlich.»

Neueröffnung Kölnischer Kunstverein

Nicht gerade oft konnte man in letzter Zeit eine ähnlich direkte Ausstellungsansage – in diesem Fall handelt es sich sogar um den Ausstellungstitel – vernehmen. Artikulierte Forderungen sind üblicherweise verpönt im saturierten Kunstbetrieb der letzten Jahre, und dass nun jemand kommt und etwas will, was einer Kampfansage gleicht, scheint neu und unerhört. Im Fall der ersten Kunstvereins-Ausstellung unter der neuen Leitung von Kathrin Rhomberg herrscht dieser kämpferische Tonfall sicherlich zu Recht, hat Rhomberg den Kunstverein vor einem Jahr doch in einer Situation übernommen, in der weder Raum noch Finanzierung sichergestellt waren.

Beides scheint nun vorhanden: bei einer praktisch bankrotten Stadt Köln muss eine finanzielle Unterstützung mehrheitlich durch Eigenleistung aufgestellt werden und das modernistische Gebäude des ehemaligen britischen Kulturinstituts «Die Brücke» wird zwar noch weiter adaptiert, stellt aber für Ausstellungszwecke eine nahezu ideale Lösung dar. So wurde der in den Nachkriegsjahren erstellte Bau, der über einen Theater- und einen Kinosaal verfügt, nach den Plänen des Wiener Architekten Adolf Krischanitz im Entrée und im Ausstellungsbereich in seinen architektonischen Urzustand rückgeführt. Zusätzlich werden von einer Stiftung getragene Ateliers sowie eine Artist in Residence-Wohnung neu errichtet.

Der «Kampf» um die «Brücke» und der lange Prozess, der zu deren Übernahme führte, waren explizit auch Thema der ersten Ausstellung. In sich schlüssig widmeten sich die Arbeiten der sechzehn Künstler (fast ausschliesslich männlich) Szenarien von Aneignung, Übernahme und Behauptung von Leerstellen öffentlicher Aufmerksamkeit, die auch Lücken der Rezeption zwischen dem europäischen Osten und dem Westen schlossen. Darunter die poetischen Aktionen des Prager Konzept-Künstlers Jiri Kovanda, Anatoly Osmolovskys Video über die Besetzung des Lenin-Mausoleums in Moskau oder eine Intervention des slowakischen Konzeptualisten Július Koller. Koller, seit dreissig Jahren einem «ufologischen», radikal subjektiven Futurismus verpflichtet, markierte den Ausstellungsraum am Rand mit weisser Kreide, wie sie auf Sportplätzen Verwendung findet. Hier nun war der Akt als bürokratische Handlung von Eingrenzung vermeintlicher Freiräume der Kunst gesetzt.

Július Koller ist auch die zweite Ausstellung des Kölnischen Kunstvereins gewidmet. In Zusammenarbeit mit Roman Ondak konzipiert, ist dies die erste grosse Präsentation von Kollers Arbeiten überhaupt, in der ein umfassender Überblick über dieses wichtige Werk gegeben wird. Die Ausstellung mit dem verheissungsvollen Titel «Univerzálne Futurologické Operácie» läuft vom 11.7.–21.9.

Until 
20.09.2003

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