Kim Sooja im Museum Kunst-Palast

Kim Sooja · A needle woman, Kitakyushu, 1999, Videoinstallation, Courtesy the artist

Kim Sooja · A needle woman, Kitakyushu, 1999, Videoinstallation, Courtesy the artist

Besprechung

Die Koreanerin Kim Sooja ist mit der Performance «Cities on the move», 1997, einer elftägigen Fahrt durch die Landschaften Koreas, bekanntgeworden. Das Roadmovie, welches die Künstlerin in Rückenansicht auf einem mit bunten Bündeln beladenen Lastwagen zeigt, wurde in den letzten Jahren auf zahlreichen internationalen Biennalen und Gruppenshows präsentiert. Jetzt sind Raum- und Video-Installationen der letzten Jahre in einem konzentrierten Überblick in einer ersten grösseren deutschen Einzelausstellung im Museum Kunst-Palast in Düsseldorf zu sehen.

Kim Sooja im Museum Kunst-Palast

Die in New York lebende Künstlerin (*1957) hat ihre Video- und Rauminstallationen unter dem sprechenden Titel «Conditions of humanity» zusammengestellt. Der Videoraum «A Needle woman» (1999/2001) ist simpel und aufwendig zugleich: Man sieht auf simultan acht Projektionen die Künstlerin mitten im Stadtverkehr in einem vorbeiziehenden Passantenstrom reglos stehen. Mit dem Rücken zum Betrachter gewendet, ist sie nur am grauen Gewand und dem zum Zopf gebundenen Haar zu identifizieren. Man nimmt nicht sofort wahr, dass es sich um acht unterschiedliche Metropolen handelt: Kairo, Shanghai, London, Delhi, Lagos, New York, Mexiko und Tokio. Doch dann zieht uns das weltumspannende Strassentheater rasch in Bann: Während in London niemand die ruhige Frau wahrzunehmen scheint, scharen sich in Lagos um sie zahllose Kinder, in Kairo taucht ein Kamerateam auf, in Shanghai schlingern Motorräder und Autos beängstigend nah vorbei. Doch was den Betrachter fesselt, sind nicht nur das Lokalkolorit, die exotischen Details, die kulturellen Differenzen. Die einfachen Gegensätze von Bewegung und Ruhe, von Masse und Einzelperson, von Anonymität und Individualität üben eine nahezu archaische Faszination aus.

Diese prägt auch einen anderen, gleichnamigen Film: Kim Sooja liegt unbeweglich hingestreckt auf einem grossen Felsen, erst langsam werden minimale Veränderungen sichtbar: das Wandern der Wolken, ein wogender Grashalm, die Verfinsterung des Himmels. Man sieht sie ebenfalls rückwärtsgewandt in «A Laundry woman» vor dem in Nebel getauchten Yamuna-Fluss, allmählich ziehen die materiellen Überreste von Feuerbestattungen vorbei.

Die Verschmelzung einer extrem artifiziellen Inszenierung von Einfachheit sowie die Konzentration auf eine Grundidee kennzeichnen alle ihre Arbeiten. Gerne wird auf kulturelle Implikationen, den Buddhismus, das Mandala oder die fernöstliche Kontemplation verwiesen. Hier formuliert sich aber auch eine fruchtbare Verflechtung mit westlicher Ästhetik: der Kargheit der Arte Povera, dem dokumentarischen Pathos der Spurensucher, der Reduktion der Minimal Art. Mit dreisprachigem Katalog.

Until 
22.05.2004

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