Simone Zaugg und Pfelder — Arbon in Transformation

Simone Zaugg und Pfelder, o.T., 2018, Videostill

Simone Zaugg und Pfelder, o.T., 2018, Videostill

Simone Zaugg und Pfelder, Von kleinen und von grossen Häusern, 2018, Fotografie

Simone Zaugg und Pfelder, Von kleinen und von grossen Häusern, 2018, Fotografie

Simone Zaugg und Pfelder — Arbon in Transformation

Arbon — Ein Kunstverein in einer geräumigen Industriehalle in Seenähe? – In Zürich wäre das Gebäude längst zu hochpreisigen Lofts umgewandelt worden! Um Arbon ist noch Bauland vorhanden, doch auch hier ist die Umnutzung ehemaliger Gewerbegebiete im Gange. Dies bildet die Ausgangslage für Simone Zaugg und Pfelder in der Ausstellung ‹Von kleinen und von grossen Häusern›. Die beiden nehmen sich vor, die Kunsthalle Arbon vermeintlich in den Kreislauf der Immobilienwirtschaft einzuspeisen, sie zu transformieren, anzupreisen und verkehrstechnisch zu erschliessen. 

Ausserhalb werden ein Werbeplakat und Bauprofile angebracht. Im Eingangsbereich empfängt ein Infopoint, der das fiktive Umbauprojekt anpreist. Erst in den Weiten der Halle bricht ein dichter Wald aus Bauprofilen, die unmögliche Volumina auszeichnen, den ersten Eindruck. Zwei Zugänge zum Keller weisen absurderweise in U-Bahnstationen namens «Arbon Nord» und «Arbon Süd». Findet sich hier gar ein Anschluss an Kippenbergers weltweites Untergrundnetz? In den Kellergewölben sind Ansichten einzelner Projekte von Simone Zaugg sowie Pfelder gleichmässig angeordnet und entwickeln ein spannungsvolles Miteinander. Denn, obwohl sich beim Künstlerteam thematische Gemeinsamkeiten ergeben, zum Beispiel in der Befragung der sozialen Umwelt, so ist eine unmittelbare Zusammenarbeit doch die Ausnahme.

Das grundlegende Paradoxon einer Gesellschaft, wo der Arbeitsraum auf die Grösse eines Laptops schrumpft und der Wohnraum pro Individuum explodiert, reflektiert zudem eine Videoarbeit. Sie wirft den Blick auf die vielfältige Stadtlandschaft Arbons aus unterschiedlichsten Gebäudetypen, die vom pittoresken Fischerhaus bis zum markanten historistischen Wasserturm, dem «Schädlerturm», reichen. Fragen der Aufwertung von Raum geraten in den Fokus. Diese spielen die Kunstschaffenden in einer oberen «Abstellkammer» gezielt durch, welchen sie in eine Musterwohnung mit Seeblick verwandeln, die zum Beziehen einlädt.

Arbon eignet sich für das vielschichtige Ausstellungsprojekt einerseits aufgrund der Kunsthalle an sich und der Stadt, die auf engem Raum eine Vielfalt der Besiedlung mit historischem Kern und weitläufigen Industriequartieren versammelt. Andererseits sind die Prozesse der Deindustrialisierung und der Transformation mit Verzögerung eingetreten, was diese direkter erfahrbar macht im Vergleich zu den Ballungsräumen.

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Simone Zaugg 08.04.201812.05.2018 Ausstellung Arbon
Schweiz
CH
Autor/innen
Adrian Dürrwang
Künstler/innen
Simone Zaugg

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