Nedko Solakovs «Leftovers» im Kunsthaus

Nedko Solakov · Garbage People # 7, 2005, Schwarze Tinte und Marker auf Lambdaprint, auf Dibond aufgezogen, Serie von 7, je 120 x 120 cm, Courtesy Gallery Tanya Rumpff, Haarlem, NL, © Nedko Solakov

Nedko Solakov · Garbage People # 7, 2005, Schwarze Tinte und Marker auf Lambdaprint, auf Dibond aufgezogen, Serie von 7, je 120 x 120 cm, Courtesy Gallery Tanya Rumpff, Haarlem, NL, © Nedko Solakov

Besprechung

Der bulgarische Künstler Nedko Solakov gehört zu den international bekannten Künstlern aus dem Balkanraum. Im Kabinettraum des Kunsthauses finden sich seine «Ladenhüter» gestapelt.

Nedko Solakovs «Leftovers» im Kunsthaus

Man glaubt, sich in einen Trödlermarkt verirrt zu haben. Der Kabinettraum des Kunsthauses Zürich ist in ein Warenlager verwandelt. Billige, riesige Lagergestelle aus Tannenholz sind voll gestopft mit kleinformatigen Zeichnungen, Fotografien, Gemälden, Videos und abstrusen Gegenständen wie flossenförmigen Lammfellstiefeln, langen weissen Rüschenunterhosen, Geschenkpaketen oder einem Baumstrunk.

Alles Werke und Objekte von Nedko Solakov, neunundneunzig an der Zahl, die nach Galerieausstellungen in Sofia, Berlin oder Paris nicht verkauft werden konnten und liegen geblieben sind. An einer Wand führt eine lange, von Hand geschriebene Liste alle möglichen Gründe dafür auf. Gründe, die dazu geführt haben mögen, dass diese Ladenhüter, worauf der Ausstellungstitel «Leftovers» verweist, sich hier stapeln. Indem Solakov (*1957, Sofia) seine Ladenhüter in einer Institution wie dem Museum präsentiert, unterläuft er nicht nur die Erwartungen des Publikums, sondern führt auch den Prozess der Auratisierung ad absurdum und stellt den musealen Ausstellungsprozess auf den Kopf. Ebenso hinterfragt er die Rolle des Künstlers im überhitzten Kunstmarkt. Ein Unterfangen allerdings, das seit den Situationisten immer wieder unternommen worden ist.

Mit einem Display, das letztlich einen Überblick über Solakovs vielfältiges Schaffen der letzten Jahre bietet, wird das schnelle Schauen verunmöglicht. Denn viele Objekte sind in diesem scheinbaren Wirrwarr nur teilweise oder gar nicht zu sehen. Da hilft einem der Katalog weiter, der wie ein Verkaufskatalog nach Produktnummern aufgebaut ist und ein Inventar dieser Ladenhüter liefert. Die teilweise nicht sichtbaren Kunstwerke müssen anstelle des Original-Kunstwerks im Katalog in Reproduktionen betrachtet werden. Dies ein weiterer augenzwinkernder Hieb an die Erwartungen des Publikums.

Fester Bestandteil seines Œuvres sind Texte, denen man überall in seinem Werk begegnet. Ursprünglich zum klassischen Wandmaler ausgebildet, der aber kein einziges Wandbild ausgeführt hat, beschreibt Solakov gerne die Wände von Ausstellungsräumen mit frechen, saloppen «Kritzeleien» - in der aktuellen Ausstellung nimmt er sich die Giacometti-Räume vor. Texte tauchen auch in Solakovs mal skurrilen, mal kleinmeisterlich erscheinenden Zeichnungen auf, die überdies mit kunstgeschichtlichen Motiven gewürzt sind.

Mitunter sind es ganz poetische Arbeiten, die von Solakovs Sinn für das Absurde zeugen, das er nicht nur im Kunstsystem, sondern auch im Alltäglichen und in der Politik aufspürt. Dem ganz alltäglichen Wahn begegnet Solakov gerne mit Geschichten: So zeigt ein Bild einen afrikanischen Kunstsammler in einem Zelt sitzend, und aus dem Text erfährt man, dass er Kunst aus Europa und Amerika sammelt und für seinen Picasso 23 Kokosnüsse gezahlt hat. Gewiss, die Arbeiten leben von einem eigenen osteuropäischen Humor, doch bleibt letztlich unklar, was uns Solakov hier mitteilen will. Dennoch kann man sich an seinen Kunstgriffen erfreuen, die auch im Kitschig-Unscheinbaren aufscheinen. Mit Katalog.

Until 
12.11.2005

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