Hanspeter Hofmann in der Galerie Jamileh Weber

Hanspeter Hofmann · Ohne Titel, 2006, Acryl auf Leinwand, 220 x 190 cm

Hanspeter Hofmann · Ohne Titel, 2006, Acryl auf Leinwand, 220 x 190 cm

Besprechung

Der Basler Maler Hanspeter Hofmann greift in seinen Gemälden immer wieder auf einen gemeinsamen Nenner zurück. Die grossformatige Holzschnittserie «in vitro» lieferte für die aktuelle Ausstellung die Anregung. Doch die Formen und Linien der ursprünglichen Serie wurden um Worte, Chiffren und neue Techniken erweitert.

Hanspeter Hofmann in der Galerie Jamileh Weber

Hanspeter Hofmann hat seine Gemälde mit neuem Leben bevölkert. Mit Airbrush wurden Persönlichkeiten aus der Medienwelt und Reptilien über gemalte Flächen gesprüht. In den neusten Arbeiten kommen Köpfe von Affen, Schmuckstücke und Hauterkrankungen dazu. Es geht in den Bildern - in den neusten mehr denn je - um menschliches Leben im Allgemeinen: Wie lässt sich der Mensch des 21. Jahrhunderts in der Malerei darstellen. Dies ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Denn Hofmann agiert eher wie ein Chemiker, der ein Modell einer möglichen Welt entwirft, um auf dieser Basis weitere, grössere Varianten zu generieren. Er forscht, mikroskopiert und analysiert.

Dabei sind es vor allem die Umwege, die ihn interessieren. Auch die Wissenschaft hat dies längst zum System erhoben. Es gibt Forscher, die seit Jahren an einem bestimmten Projekt forschen und nebenbei, sozusagen als Abfallprodukte, spektakuläre Entdeckungen verbuchen können. Auch in Hanspeter Hofmanns Werk gibt es diese Nebengleise, die ihn in neue Richtungen führen, ohne dass es damit zu einer totalen Entgleisung kommt. Sie ermöglichen ihm die Implementierung neuer Ideen, die allmählich zu Satelliten seines präzis angelegten Universums werden. Diese kreisen in Umlaufbahnen um seine eigentliche Recherche, bis sie eines Tages zu einem neuen Themenschwerpunkt oder in ein bestehendes System integriert werden. So bleiben Ideen und Experimente immer in Sichtweite und können bei Bedarf umgehend herangezogen werden.

Die daraus entstehenden Verbindungen werden vor allem in seinen Katalogen und Ausstellungen visualisiert. Im Sinne eines Experiments werden Analogien erprobt, Brüche konstruiert und Visionen formuliert. So werden bei Jamileh Weber die neuesten Arbeiten mit den Affenköpfen, den mäandrierenden Därmen und den Schmuckstücken konfrontiert mit älteren Schwarzweiss-Arbeiten. Und plötzlich wird erfahrbar, wie viel eine chemische Formel mit einem Schmuckstück oder einer Affenphysiognomie zu tun hat. Oder wie ursprünglich ornamentale Strukturen zurück zur Gegenständlichkeit finden können. Hanspeter Hofmanns Gemälde passen sich wie ein Chamäleon immer neuen gesellschaftlichen Verhältnissen an und bleiben im Innersten gleichwohl authentisch.

Until 
29.09.2006
Author(s)
Simon Baur
Artist(s)
Hanspeter Hoffmann

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