Robert Kusmirowski im Migros-Museum für Gegenwartskunst

Robert Kusmirowski · Ohne Titel, 2006, Fotografie

Robert Kusmirowski · Ohne Titel, 2006, Fotografie

Hinweis

Robert Kusmirowski im Migros-Museum für Gegenwartskunst

Man fühlt sich an eine Fahrt durch die verbotene Zone im Film «Stalker» von Andrei Tarkowski erinnert. Nicht nur die albtraumartige Atmosphäre legt diesen Vergleich nahe, sondern auch die Kulisse einer verfallenden Industrielandschaft und die Abfolge von Räumen, die bald klinisch weiss, bald düster dunkel gehalten sind. In weit ausholenden Gesten hat der 1947 in Lodz geborene polnische Künstler Robert Kusmirowski die Räume des Migros Museums in geschichtsträchtige Kulissen verwandelt, die eine beklemmende Atmosphäre ausstrahlen. Dafür kopiert und fälscht er Wirklichkeitsfragmente oder verwendet Alltagsmaterialien und Schrott. Eröffnet wird der Parcours im Foyer mit einem alten Strommast und einem Entwurfsraum mit ältlichen Zeichenbrettern, an denen anscheinend gerade gearbeitet wird. Auf diesen liegen technische Zeichnungen für ominöse Apparaturen. Dahinter führen zwei separate Eingänge für Männer und Frauen in weisse, steril wirkende Umkleidekabinen und fünf abgeschlossene Quarantäneräume, die aber auch Gefängniszellen sein könnten. Diese Modellräume sind aus Gips oder Styropor mit einer Liebe fürs Detail ausgeführt, die auch Thomas Demands Modellen alle Ehre gemacht hätten. Noch beklemmender wirkt der angrenzende düstere Raum und das unbenutzte, respektive umgenutzte Schwimmbad, das hinter einem Stacheldrahtverhau liegt und in dem veraltete Apparaturen stehen. Wir rätseln über die ehemalige Nutzung dieses Raums und werden damit auf unsere westliche Interpretation der Machtverhältnisse und der Technologieutopien in der ehemaligen Sowjetunion zurückgeworfen. Die Tatsache, dass wir auf Grund des hohen Realitätsgehalts dieser verlassenen Stätte geradezu physisch involviert sind, versetzt uns ausserhalb der Zeit. Eine Wirkung, die zweifellos auf das Konto von Kusmirowskis künstlerischer Strategie geht: «Viele Künstler gehen nach der Mode, suchen den aktuellen Dialog. Ich will in die andere Richtung gehen, zurück. Ich will die Zeit anhalten.»

Until 
10.02.2007

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