Valentin Magaro im Kunstraum

Valentin Magaro · o.T., 2007, Tusche auf Papier, Collage, 62 x 42 cm

Valentin Magaro · o.T., 2007, Tusche auf Papier, Collage, 62 x 42 cm

Besprechung

Ruhelos, vielschichtig und bisweilen irritierend abgründig zeigen sich die Bildwelten von Valentin Magaro, Adolf-Dietrich-Förderpreisträger der Thurgauischen Kunstgesellschaft.

Valentin Magaro im Kunstraum

Eine Frau ohne Unterleib, dafür mit einer Art Röhrenfortsatz, hängt mit ihren Armen in einer würfelförmigen Architektur, wobei nicht genau auszumachen ist, ob man sie frontal oder aus der Vogelperspektive sieht. Der Frau und der Röhre begegnen wir in weiteren Bildern, leicht verändert, beziehungsweise mutiert und in anderer Konstellation, kombiniert mit Elementen, die aus bereits vorhandenen entwickelt wurden oder neu dazu treten. Dieses unablässig sich erweiternde Formenvokabular scheint Valentin Magaro auf zwei Ebenen parallel voranzutreiben, auf einer figürlichen und einer architektonisch-abstrakten, wobei letztere sozusagen als Gerüst, als Raum für die andere dient. Obwohl diese Raumkonstruktionen keine verlässliche Basis bieten, sondern mit einem Hang zum Phantastischen einer soliden logischen Struktur entbehren, bilden sie eine Art Gehäuse aus verschachtelten Kuben, ornamentalen Mustern, ordinären Küchenplättchen und Tapetenstücken, zwischen denen die figürlichen Sujets ihren präzisen Platz finden. In den letzten beiden Jahren haben sich sowohl die Motive wie die Komplexität der Überlagerungen und Verschachtelungen der Bildstrukturen Magaros aus einem ursprünglich auf wenige Elemente begrenzten Programm weiterentwickelt. Waren es anfänglich Puppen, die sich in beängstigend schnellem Wachstum auf den Zeichnungen vermehrten - man glaubte, eine aus den Fugen geratene Zeugung durch Klonen zu beobachten -, entfaltete sich aus diesem Bestand ein Vokabular teilweise emotional hochaufgeladener, alptraumhafter oder erotischer Sujets. Zusammen mit Banalem aus der Gegenstandswelt, gelegentlich eingestreuten Schriftelementen und meist weiblichen Modellen bei alltäglichen Handlungen besetzen sie in fortwährender Metamorphose die Bildarchitektur. Den Zeichnungen ist dabei in keiner Weise zu trauen, denn die einzelnen Motive sind durch Spiegelungen, Silhouettierungen, Multiplizierungen, Teilungen und Kontextverschiebungen ständiger Veränderung unterworfen, so dass vertraute Formen zu hybriden Vexierbildern werden. Wie ein Flaneur Baudelaireschen Zuschnitts vagabundiert Valentin Magaro so durch den Bilderfundus des zeitgenössischen Alltags und montiert mit zeichnerischer Akribie seine sorgfältig skizzierten Fundstücke zu kaleidoskopartigen Bildgefügen. Doch kaum scheint sich dabei ein Bildgedanke zu kristallisieren, wird eine Sinnzuschreibung auch gleich wieder unterwandert und die vorgebliche Narration läuft ins Leere. Valentin Magaro zeigt sich dabei als umsichtiger Regisseur seiner Welten, denn so sehr der Bildaufbau in Rhythmus und Struktur kontrolliert und in seiner Komposition durchdacht ist, so uneingeschränkt bleibt die Formfindung in freiem Fluss und lässt in ihrer Eigendynamik die Zeichnungen zu eigentlichen Bildgeneratoren werden, die notorische Aufschlüsselungsversuche immer wieder vereiteln.

Until 
22.12.2007
Author(s)
Gabrielle Boller
Artist(s)
Valentin Magaro

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