Josephine Meckseper

Josephine Meckseper · Ten High, 2008, Plexiglas, 3 Schaufensterpuppen, Gehhilfe, Gehstock, Flasche, Bibel, Aschenbecher mit Zigaretten, zerbrochener Spiegel, Poster auf Aluminium, verschiedene Materialien auf Leinwand, T-Shirt, Kravatte, Erbrochenes, 350,5 x 350,5 x 350,5 cm, Courtesy Elizabeth Dee Gallery, New York, © ProLitteris, Zürich

Josephine Meckseper · Ten High, 2008, Plexiglas, 3 Schaufensterpuppen, Gehhilfe, Gehstock, Flasche, Bibel, Aschenbecher mit Zigaretten, zerbrochener Spiegel, Poster auf Aluminium, verschiedene Materialien auf Leinwand, T-Shirt, Kravatte, Erbrochenes, 350,5 x 350,5 x 350,5 cm, Courtesy Elizabeth Dee Gallery, New York, © ProLitteris, Zürich

Besprechung

Die oft als «Kapitalismuskritikerin» bezeichnete Josephine Meckseper ist ein Shooting-Star der internationalen Kunst­szene. Sie kommentiert die Kontroversen in der spätkapitalistischen Gesellschaft mit hypereleganten Schaufensterinstallationen.

Josephine Meckseper

Schon lange werden revolutionäre Bewegungen assimiliert, als Modetrend entschärft und kommerzialisiert; so ist beispielsweise das Palästinensertuch längst zum gewinnbringenden Dressaccessoire verkommen. Die deutsche Künstlerin Josephine Meckseper (*1964, Lilienthal) entlarvt nun die aggressiven Attitüden hinter der glamourösen Werbe-Ästhetik.
Auftakt der Ausstellung bilden Ölpumpen, die Replik eines Bunkers aus dem Zweiten Weltkrieg und eine verspiegelte Aluminiumtafel mit dem Schriftzug von Blackwater - der wegen ihrer Tätigkeit im Irakkrieg in Verruf geratenen US-Sicherheitsfirma. Eine dahinscheppernde elektronische Stimme, «Do you want - total war?», ist der Videoarbeit «0% Down», 2008, unterlegt und suggeriert nicht nur die Verquickung von Blut und Öl, sondern verweist auch auf das berüchtigte Goebbels-Zitat. Weite Bezugsnetze sind für die Wahl-New-Yorkerin künstlerische Strategie. Mit konsumkritischen Vitrinendisplays, Fotografien und Videos bringt sie die spätkapitalistische, energiefressende Konsumkultur mit Machtgebärden und Kriegsmetaphorik in Zusammenhang. Mit Vorliebe und auch aus aktuellem Anlass zeigt sie diese Mechanismen an Autowerbung auf. Ihre Videoarbeit «0% Down» hat sie beispielsweise aus Fernsehwerbespots von entsprechenden Firmen zusammengeschnitten. In mehreren Sequenzen sind die Leistungen von Autos mit denen von Militärjets gleichgesetzt, so wenn ein Flugzeug mit einem Star-War-Piloten zum Offroader umgestaltet wird. Josephine Meckseper entlarvt gesellschaftliche Dekadenz und plakative Politik, indem sie Protestplakate auf Schaufensterpuppen drapiert. So thematisiert die In­stallation «Ten High», 2008, die in der verführerischen Ästhetik einer Schaufensterdekoration mit silbernen, kopflosen Schaufensterpuppen gehalten ist, den Zusammenbruch des amerikanischen Neoliberalismus. Eine der Schaufensterpuppen, die eine mit christlichen Symbolen verzierte Krawatte trägt, verweist auf das bigotte Amerika und den gottgewollten Krieg der Bush-Administration gegen die «Achse des Bösen», eine andere, mit einem Veteranen-T-Shirt bekleidet, auf den Veteranenkult, während das Schild «Going out of business, SALE» auf die Finanzkrise zielt.
Andy Warhol sprach von einer zum Museum mutierenden Warenhauskulisse. Wie Meckseper dies Diktum nutzt, um mediale Spektakel und eine von hohlen Phrasen unterwanderte Politik aufs Korn zu nehmen, ist beeindruckend.

Until 
22.05.2009

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