Danica Dakić, «Casa del Lago»

Danica Daki? · Casa del Lago, 2008/2009 © ProLitteris

Danica Daki? · Casa del Lago, 2008/2009 © ProLitteris

Besprechung

Eigentlich nichts Ungewöhnliches, wenn in Zeiten der Globalisierung eine bosnische Künstlerin in Langenthal einen mexikanisch-aztekisch anmutenden Werkzyklus zeigt. Danica Dakić, sensibilisiert durch den Jugoslawienkrieg, thematisiert mit multimedialen Installationen Fragen nach Heimat und Identität.

Danica Dakić, «Casa del Lago»

Vom Bahnhof Langenthal zum Kunsthaus läuft man auf ungewöhnlich hohen Gehsteigen. Dies ist dem Umstand zuzuschreiben, dass die Langete bei Hochwasser immer wieder über die Ufer tritt. Auch die Architektur des Kunsthauses ist dadurch geprägt. Denn das unter dem Haus durchfliessende Wasser hat über die Jahrhunderte die Böden schief und Wände bauchig werden lassen. Diese Situation hat Danica Dakić(*1962, Sarajevo, lebt in Sarajevo und Düsseldorf) an das Kulturzentrum Casa del Lago in Mexiko-Stadt erinnert, das an einem künstlichen See liegt. Hier hatte sie vor Kurzem eine Arbeit über die verschiedenen Aspekte Mexikos entwickelt und realisiert. Auf die Geschichte des denkmalgeschützten Kunsthauses hat die Künstlerin mit einer spezifischen Choreografie von Arbeiten reagiert, die sich auf Recherchen und Materialien stützen, die sie schon in Mexiko gesammelt hatte.
Im Hausinnern hört man typisch mexikanische Volksmusik und erfährt von den Plattencovers - als Teil der Installation «Recuerdo de Yugo-Mexiko», 2009 -, dass diese von jugoslawischen Musikern (in volkstümlich mexikanischem Outfit) aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren stammt. Dieser kulturelle Transfer lässt einen staunen. Ermöglicht wurde er nach 1948 durch Titos Abwendung von Stalins Hegemonialansprüchen, als die Jugoslawen ihrer Sympathie für das revolutionäre Mexiko Ausdruck verleihen konnten. Ganz eindrücklich und auch exemplarisch für Danica Dakićs künstlerische Strategien sind die Fotografien «Plazas de las Tres Culturas», 2009, und das auf diesem geschichtsträchtigen Platz gedrehte Video «Warm up», 2009. Ursprünglich einer der wichtigsten aztekischen Marktplätze, spricht dieser von einer wechselvollen Geschichte, die an einer spanischen Kathedrale, einen an Hernan Cortéz' Eroberung erinnernden Gedenkstein und an Wohnsilos, die das moderne Mexiko repräsentieren, abzulesen ist. So reflektiert denn diese Videoarbeit ein historisches Amalgam, indem der Untergang der aztekischen Kultur, ihr unterschwelliges Weiterleben und das Nebeneinander der hier assimilierten Völker verdeutlicht werden. Die Arbeiten sind in den historischen Räumen überaus karg platziert, wodurch sie mit neuer Bedeutung aufgeladen werden. Dabei können die von Danica Dakić dingfest gemachten Spuren der Geschichte nachvollzogen werden; namentlich das Thema der Überlagerung und -schreibung von Geschichte, welche durch widerstrebende Kräfte und ungeheure Machtgier geprägt ist und hier und anderswo in einen oft disparaten, kulturellen Facettenreichtum kulminiert.

Until 
27.06.2009

Katalog in Vorbereitung

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