Uriel Orlow, «Neither Fish nor Fowl»

Uriel Orlow · Untitled (Not For Sale, #3), aus der Serie «What Cannot Be Seen», 2009, Pigmentdruck

Uriel Orlow · Untitled (Not For Sale, #3), aus der Serie «What Cannot Be Seen», 2009, Pigmentdruck

Uriel Orlow · Untitled (Spire), aus der Serie «What Cannot Be Seen», Pigmentdruck, 2009

Uriel Orlow · Untitled (Spire), aus der Serie «What Cannot Be Seen», Pigmentdruck, 2009

Hinweis

Uriel Orlow, «Neither Fish nor Fowl»

Was geschieht mit unerschlossenem Material, das sich an den Rändern einer Recherche ablagert? Wie können diese «Reste» im Rahmen einer künstlerischen Praxis fruchtbar gemacht werden? Diese Fragen bilden den Ausgangspunkt der Ausstellung, in der Uriel Orlow seine Arbeitsweise und Arbeiten einer vertieften Recherche unterzieht. Dabei greift Orlow auf zwei Projekte zurück, die bereits mehrere ausformulierte Arbeiten umfassen: «The Benin Project», das sich mit den Folgen der Kolonialisation des Königreichs Benin (heute Nigeria) beschäftigt, und das Projekt «Flat Earth», das an die Geschichte der Erdvermessung anknüpft. Wie auch in anderen Arbeiten fokussiert Orlow hier die räumliche Ablagerung von Geschichte(n), richtet seinen Blick auf die Nebenschauplätze der grossen historischen Erzählungen. So zeigt die Videoprojektion «The Naked Palace», 2007/08, eine Abfolge von Standbildern, die während der Tour durch eine traditionelle Palastanlage in Benin City aufgenommen wurden. Die Stimme des Fremdenführers begleitet die Bilder, die im Zusammenspiel mit der Erzählstruktur seiner Ausführungen zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu oszillieren beginnen. Die zeitlichen Ordnungen kippen ineinander, verschränken sich in einem fragmentarischen Gefüge, das immer wieder auf ein heutiges Erleben rekurriert. In der aktuellen Videoarbeit «Money Dance», 2009, ist dieser Bezug zur Jetztzeit ausgeweitet. Orlow greift auf Aufzeichnungen eines Kameramanns zurück, die anlässlich seines Besuchs bei einem rituellen Fest entstanden und als Nebenprodukt der Benin-Recherche anfielen. Mit dieser Geste spiegelt er seine eigene Tätigkeit vor Ort und hinterfragt somit auch die ethischen Dimensionen seiner Rolle als Reisender und Betrachter. Räume und Orte können als dynamische Kategorie aufgefasst werden, die sich durch dort Gelebtes konstituieren und in denen Erinnerung verräumlicht ist. Die Fotografien der fortlaufend erweiterten Serie «What Cannot Be Seen» entstammen den Randzonen der erwähnten Projekte. Mit der Umformung zu einer neuen, eigenständigen Arbeit eignet sich Orlow bisher brachliegendes Material wieder an, dessen Potenzial sich erst aus der Distanz zur unmittelbaren Entstehung erschlossen hat. Er verweist mit diesen Bildern auf Leerstellen der offiziellen Geschichtsschreibung, auf Momente am Rande der Aufmerksamkeit; zugleich lotet er aber auch die blinden Flecken innerhalb des eigenen Arbeitsprozesses aus, kommentiert die eigenen Arbeiten in Form dieser Re-Lektüre und Referenzierung.

Until 
17.07.2009
Author(s)
Irene Müller
Artist(s)
Uriel Orlow

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