Daniel Robert Hunziker, Jeroen Jacobs, William Speakman und Christian Vetter in der Binz 39

Daniel Robert Hunziker · Nordöstliches Vordach, 2002

Daniel Robert Hunziker · Nordöstliches Vordach, 2002

Besprechung

Man weiss mittlerweile, dass sich Künstler hin und wieder gerne als Kuratoren versuchen; mitunter mit zweifelhaftem Erfolg. Dass die künstlerische Praxis für die Realisation von Ausstellungen auch fruchtbar sein kann, ist momentan in der Binz 39 zu sehen.

Daniel Robert Hunziker, Jeroen Jacobs, William Speakman und Christian Vetter in der Binz 39

Christian Vetter hat zur Präsentation seiner Arbeiten drei weitere Künstler eingeladen: Das entstandene Ensemble mit Werken von ihm selbst, Daniel Robert Hunziker, William Speakman und Jeroen Jacobs überzeugt durch einen lobenswert kohärenten Gesamteindruck, vor allem aber durch den selten anzutreffenden Umstand, dass die Kunstwerke in einen wahrhaftigen Dialog miteinander treten. Der gemeinsame Nenner der verschiedenen Arbeiten findet sich im Bezug zur menschlichen Umgebung und Architektur; immer wieder tauchen Einrichtungsgegenstände oder Versatzstücke aus Innenausbau und Wohnarchitektur auf. Dabei zeigt jeder Künstler in einer beinahe graduellen Abstufung einen jeweils anderen Bezug zur Realität. Christian Vetter ist auf dem besten Weg zu einer neuen Dingmagie, Daniel Robert Hunziker imprägniert praktische und vertraute Materialien aus dem Baumarkt mit einem Hauch von Paranoia, Jeroen Jacobs dagegen geht durch seinen reduzierten Umgang mit Material zu jeder Bedeutungshaftigkeit zunächst auf Distanz und William Speakman schliesslich offeriert eine Alternativwelt, die sich neben die Realität stellt.

Besonders interessant ist das Aufeinandertreffen von Daniel Robert Hunziker und Jeroen Jacobs. Gemeinsam teilen sie die Liebe zum bedeutungslosen, konkreten Baumaterial, sei es nun bei Hunziker Wellplastik und Holztäfer, bei Jacobs ein handelsüblicher Parkettboden. Bei beiden offenbaren die verwendeten Materialien im Kontext der Kunst eine überraschende und unbekannte Qualität, doch wenn in der Konfrontation miteinander die für Hunziker typische psychologische Aufladung auch für Jacobs «Dancefloor» plausibel wird, geschieht weitaus mehr. Was für ein einzelnes Werk gilt, springt auf ein anderes über und beginnt als unsichtbarer Faden ein Beziehungsnetz zu weben, in dem ungeahnte Querverweise möglich sind. Was mit Jacobs Arbeiten geschieht, gilt gleichermassen für jene von Christian Vetter. Die brave Laubsägearbeit transformiert sich in eine psychologische Erzählung und das überdimensionierte Spielhaus erscheint gemeinsam mit den Kaminuhren plötzlich als symbolhafte Möblierung eines eigenwilligen Oberstübchens. Ebenso wie das, was eben noch bekannt und richtig, niedlich und hübsch erschien, unangenehm und neurotisch wird, so kann umgekehrt bei William Speakman das Surreale und Phantastische zur realen Alternative werden. Empfehlenswert nicht nur für Kuratoren.

Until 
25.04.2003

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