Nicole Wermers bei Borgmann-Nathusius

Nicole Wermers · Installationsansicht November 2003
Galerie Borgmann-Nathusius, Köln

Nicole Wermers · Installationsansicht November 2003
Galerie Borgmann-Nathusius, Köln

Besprechung

«Raum» ist in der Arbeit von Nicole Wermers eine zentrale Kategorie und verbindet die auf den ersten Blick recht unterschiedlichen Werkformen, die von Modell-Objekten und Skulpturen über Collagen bis zu Video reichen. In der Galerie Borgmann-Nathusius zeigt Wermers jetzt neue Arbeiten.

Nicole Wermers bei Borgmann-Nathusius

Bekannt wurde die 1971 geborene Künstlerin mit miniaturisierten, von oben einsichtigen Modell-Räumen, die im Puppenstubenformat «suspense» wie in einem Filmset erzeugen. Unwillkürlich fragt man sich nach dem Handlungszusammenhang, in dem solche Modell gewordenen Momentaufnahmen stehen mögen. Wermers inszeniert den Film im Kopf der Betrachter mit minutiöser Sorgfalt und Detailgenauigkeit. Im Hang zur Perfektion spielen die Modelle zugleich ihren Charakter des anrührend Handgemachten aus, der auf den oft krassen Kontrast zu Tristesse und Brutalität der Sujets angelegt ist: verbarrikadierte und demolierte Räume, leer stehende Geschäfts-Interieurs. In letzter Zeit entwickelt Wermers neue skulpturale Ansätze auch im Blick auf den Realraum und geht dabei zunächst den Weg über eine ambivalent gehaltene funktionale Einbindung der Werke. Etwa mit «French Junkies», einer heterogenen Gruppe knapp hüfthoher Skulpturen, die sich auch als Stand-Aschenbecher nutzen lassen – was insbesondere beim spezifischen Ennui von Ausstellungseröffnungen gut funktioniert. Formal sind die Stücke zwischen abstrakter Skulptur, elegantem Design und funktionalem Möbel angesiedelt. Eine neue Arbeit aus dieser Werkgruppe ist auch bei Borgmann/Nathusius zu sehen: Das schlichte Exemplar, der Funktion gemäss im Eingangsbereich platziert, ist kubisch geformt und aus aneinander geschweissten kreisförmigen Stahlscheiben gefertigt. An der Oberseite schliesst es mit einer flachen, runden Metallschale, dem Aschenbecher ab, der exakt der Grösse der Scheiben entspricht: ein grober Minimalismus, ironisch mit dem Praktischen gekreuzt.

Die beiden grösseren, titellosen Arbeiten in der Ausstellung sind dagegen nicht funktional, sondern autonom und raumgliedernd angelegt: Je zwei gerundete, mattschwarz lackierte Stahlbleche stehen einander dicht, aber unverbunden gegenüber und bilden dadurch schlanke röhrenartige Stelen, die ungefähr auf Augenhöhe eines durchschnittlich grossen Betrachters enden. Jedes Element besitzt an einer der Längsseiten drei aneinander gefügte halbkreisförmige Ausbuchtungen, bei jedem auf anderer Höhe platziert. Sie brechen die vertikale Linearität und überbrücken aus einem bestimmten Blickwinkel die schmale Distanz der zugewandten Hälften durch angedeutete Berührung. Ein sparsam ornamentaler Gestus, der den Arbeiten eine zugleich markante und fragile Präsenz im Raum verleiht. Wermers zeigt ausserdem eine Reihe neuer Collagen. Mit Material aus Glamour-Magazinen, Design- und Architekturbüchern konstruiert sie einen «halbabstrakten», bisweilen regelrecht kubistisch wirkenden Bildraum: Die collagierten Fragmente geben dabei lediglich Texturen, Oberflächen, auch Räumlichkeit wieder – Holzmaserung etwa oder metallischen Glanz –, bilden aber nichts Gegenständliches ab. Umso frappierender ist ihre Wirkung einer in sich geschlossenen, wenngleich abstrakt raumgreifenden Objekthaftigkeit im Ganzen.

Until 
30.01.2004
Author(s)
Jens Asthoff
Artist(s)
Nicole Wermers

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