Annaïk Lou Pitteloud — The Waiting List

The Waiting List, 2020, Ausstellungsansichten Grand Palais, Bern. Foto: Nico Müller

The Waiting List, 2020, Ausstellungsansichten Grand Palais, Bern. Foto: Nico Müller

The Waiting List, 2020, Ausstellungsansichten Grand Palais, Bern. Foto: Nico Müller

The Waiting List, 2020, Ausstellungsansichten Grand Palais, Bern. Foto: Nico Müller

The Waiting List, 2020, Ausstellungsansichten Grand Palais, Bern. Foto: Nico Müller

The Waiting List, 2020, Ausstellungsansichten Grand Palais, Bern. Foto: Nico Müller

Annaïk Lou Pitteloud — The Waiting List

Bern — Eine aufgekratzte Stimmung herrschte unter den Maskierten im Grand Palais, dem ehemaligen Wartehäuschen nahe der Kunsthalle Bern. Am 23. Oktober um 23 Uhr treten Einschränkungen in Kraft, welche die Kultur im Kanton ein weiteres Mal einfrieren! Dass Kunsträume wie Galerien offen bleiben dürfen und somit die eben eröffnete Schau The Waiting List, wie auch einige der in der Novemberausgabe des Kunstbulletins vorgestellten Aktionen des Connected Space zugänglich bleiben, ahnte noch niemand – Dies ist ein Glück, da die «Warteliste» Werke bekannter Namen wie etwa Chris Evans, Bethan Huws, Florence Jung oder Jonathan Monk versammelt. Grosse Kunst also in einem Offspace? Jein. 

Die Künstlerin und Organisatorin Annaïk Lou Pitteloud (*1980) interessiert der Status der (Werk-)Beschilderung im Kontext einer Ausstellung. Sie wählte für die Schau einen konzeptuellen Rahmen, der im Raum lediglich verteilte Werkbeschriftungen vorsieht. Die eingeladenen Kunstschaffenden mussten sich auf ein aussergewöhnlich reduziertes Format beschränken, was jedoch zu ausserordentlich spannenden Resultaten führte! Ein Saalplan weist dabei die Werke minutiös aus und nennt ihre Titel, auf der Rückseite Textpassagen dazu, die «...als Beschreibungen der präsentierten Werke dienen könnten.» Die Möglichkeitsform lässt jedoch aufhorchen, geht es Pitteloud doch genau um das Hinterfragen solcher Strukturen. Der Saalplan, die Beschreibung wie auch die Werke spielen mit ihrem Status, ihrer Funktion sowie spezifisch dem Potential der Sprache im Ausstellungskontext. 

Jonathan Monk (*1969, UK) beispielsweise liess in einem Übersetzungsprozess die Visualisierung der Angaben zu Format und Massen der vorgegebenen Werkbeschilderung malen – obwohl alle Dimensionen stimmen, sticht so die Papierarbeit hinter Glas aus den anderen Kärtchen heraus! Poetischer Bethan Huws‘ (*1961, UK) I wonder. I think. I wait. I blink.. Sie baut die konventionellen Werkangaben geschickt aus: Ergänzt mit dem Datum 1898, Baujahr des Palais, der Zustandsbeschreibung des leeren Warteraums sowie einer unbekannten Künstlerin oder einem Künstler und einer nicht lokalisierbaren Privatsammlung, verknüpft sie den physischen Ort assoziativ mit der Vergangenheit. Noch weitere Dimensionen evoziert Annaïk Lou Pitteloud in Title Date Material Dimensions. Den Vierklang im Werktitel ergänzt sie an der Wand mit einem weiteren aus den untereinanderstehenden Wörtern: «Thought Time Shapes Space», wobei diese sowohl als Antwort auf die Kategorien, wie auch als Satzfragment gelesen werden können... Ein Beispiel, wie die kleinen Kärtchen in der Schau grosses Potential entfalten, von der klassischen Frage des Werkcharakters bis hin zu neuen geheimnisvollen Narrationen. 

https://www.grandpalais.ch/the-waiting-list-an-exhibition-conceived-by-annaik-lou-pitteloud/

Institutionen Country City
Connected Space Switzerland Bern
Grand Palais Switzerland Bern
Exhibitions/Newsticker Date Type City Country
Annaïk Lou Pitteloud — The Waiting List 24.10.2020 to 21.11.2020 Exhibition Bern
Schweiz
CH

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