Kannon - Göttliches Mitgefühl im Museum Rietberg

Hinweis

Kannon - Göttliches Mitgefühl im Museum Rietberg

Die imposante Eröffnungsausstellung im Neubau des Rietberg Museums ist einer der beliebtesten Gottheiten Japans gewidmet: Dem mitfühlenden Kannon. «Der, der die Töne (der Welt) wahrnimmt» - so sein wörtlich übersetzter Name - verfügt über sechs, acht, achtzehn oder tausend Arme und über die verschiedensten Hilfsattribute: Einen Fliegenwedel beispielsweise, zur Beseitigung von Hindernissen, eine Schlinge, um durch Illusionen verblendete Wesen einzufangen und zu retten, eine Lotosblume, die Ungesetzlichkeiten reinigt, einen buddhistischen Rosenkranz, um Tiere vor Leiden zu bewahren, ein Wunschjuwel, einen Mönchsstab, ein Rad der Lehre und manchmal ein drittes Auge. Dem Verhandlungsgeschick der Kuratorin Katharina Epprecht ist es zu danken, dass nun in Zürich eine phänomenale Gruppe von 12 Skulpturen und 24 Malereien - zahlreiche davon als wichtige Kulturgüter taxiert - versammelt sind. Die Ruhe dieser in sich gekehrten Gestalten, ihre entrückte Körperlichkeit und differenzierte Ästhetik ist von magischer Schönheit.
Einige dieser Figuren sind in Japan nur selten zugänglich. So ist beispielsweise der in Zürich gezeigte «Fukukensaku Kannon» aus einem Tempel in Nara jeweils nur einmal pro Jahr zu sehen. Die Kuratorin schreibt dazu im Katalog: «In der sakralen Kunst bedeutet Verhüllung die Aufforderung, sich auf den durch das Kunstwerk symbolisch hingewiesenen spirituellen Gehalt zu konzentrieren und sich nicht durch dessen Schönheit ablenken zu lassen.» Eine andere Skulptur in der Ausstellung, der tausendarmige «Senju Kannon» wird in einem verschlossenen Schrein aufbewahrt, der nur alle 60 Jahre geöffnet wird. Auch unsichtbar hilft das Numinose denjenigen, die es anrufen.
Mehr über die zahlreichen Motive und Bildtypen erfahren wir im anschaulichen Katalog. So beispielsweise, wieso Kannon manchmal über elf Köpfe verfügt: Im Bemühen, unzählige Wesen zu retten, sei ihm der Kopf zersprungen. Doch Buddha hätte ihm diese Stücke zu neuen Köpfen geformt. Den Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung droht nichts dergleichen. Im Gegenteil: Viele werden die Ausstellung zerfahren betreten und diese mit gebündelten geistigen Kräften wieder verlassen. Vortrag am 4.4., 19.30 Uhr, buddhistisches Ritual (ca. 10 Min.) am 9.4., 16.00 Uhr.

Jusqu'à 
08.04.2007

Publicité