Christoph Oertli in der Kunsthalle Winterthur

CHRISTOPH OERTLI · Karta, 2008

CHRISTOPH OERTLI · Karta, 2008

Hinweis

Christoph Oertli in der Kunsthalle Winterthur

Christoph Oertli (*1962) ist bekannt für seine professionell choreographierten und inszenierten Videos, deren formale Präzision in einer aufwändigen digitalen Nachbearbeitung bis zur Perfektion geschliffen wird. In seiner Ausstellung «Aus dem Innenreich» präsentiert er die beiden neuen Arbeiten «Karta» und «Tiger», ausserdem «Still seeing disappeared the sailors» aus dem Jahre 2005. In der Doppelprojektion «Karta» bewegen sich zwei junge Männer durch ein leer stehendes Spital, das sich teilweise bereits im Stadium des Verfalls befindet. Die kühne Montage- und Überblendungstechnik ergibt in Kombination mit den eigenwilligen Schnitten ein verstörendes Stakkato zwischen kafkaesken Architekturen und geisterhaft sich darin bewegenden Menschen. «Tiger» zeigt eine Frau, die sich an Kunstwerke in verschiedenen Ausstellungssituationen annähert; einmal handelt es sich um eine pulsierende ballonförmige Skulptur auf einem Sockel, dann um eine rotierende Projektion eines geheimnisvollen kristallinen Objekts, schliesslich um ein rotierendes Fleischobjekt. Durch die animierten Kunstwerke und die gleichzeitig sehr verlangsamten Bewegungen der Frau scheint die Differenz zwischen lebendiger Betrachterin und toter Kunstmaterie gleichsam aufgelöst. In «Still seeing disappeared the sailors» ist eine Gruppe von Geschäftsmännern zu sehen, wobei einzelne von ihnen immer wieder Handlungen ausführen, die bei geschäftlichen Zusammenkünften normalerweise bestenfalls auf der Ebene vonWunschvorstellungen eine Rolle spielen. Dies führt zu verstörenden Momenten, was wiederum für Oertlis gesamtes Werk symptomatisch ist: Seine Videos sind niemals nur spannende Erzählungen aus der realen Welt, sondern visuelle Manifestationen von Bewusstseinszuständen, individuellen Wünschen und Ängsten.

Jusqu'à 
29.03.2008

Publicité