Cities on the move in der Secession

Cities on the move, 1997, Ausstellungsansicht; Foto: Margerita Spiluttini

Cities on the move, 1997, Ausstellungsansicht; Foto: Margerita Spiluttini

Besprechung

.B¾,.?lh der grossen Einzelausstellung von Nobuyoshi Araki werden die drei Etagen des Hauses als «erste umfassende Präsentation asiatischer Kunst in Europa» über 100 asiatischen Künstlerinnen, Künstlern, Architektinnen und Architekten übergeben.

Cities on the move in der Secession

Die Werke von Araki hängen diesmal im Treppenhaus zur Galerie. Die Fotografien der bereits gezeigten Dinosaurier reihen sich eng aneinander. Die Treppe, die zum Kabinett führt ist, wie jeder Winkel der Secession, mit Kunst besetzt. Ken Lum zeigt dort Spiegel, auf die kleine Fotos gesteckt sind – eine (unabgeschlossene) Serie chinesischer Lokale rund um die Welt. Im Eingang verstellt die riesige aufblasbare Gummipuppe von Lee Bu (Seoul) den Blick, die Türen zum Hauptraum sind mit Visitenkarten von Wang Jianwei (Peking) gepflastert und durch Wände und Decken bis zum Gehsteig laufen Röhrensysteme. Das Hauptklischee zum Thema Asien lautet Fülle, Gedränge, Chaos. Die Ausstellung scheint dies bestätigen zu wollen, so weit, dass es in der geballten Menge zunächst kaum möglich ist, das Leitthema der Ausstellung zu entdecken. Der Titel gibt Hilfestellung: Städte im Aufbruch. Die Auswahl der beiden Kuratoren, Hou Hanru und Hans-Ulrich Obrist, fiel auf all jene Künstler und Künstlerinnen, die in irgendeiner Weise «die asiatische Stadt in den 90er Jahren» thematisieren. Diaprojektionen, Mengen von Videofilmen, CD Roms und Architekturpläne liefern Bilder und Beispiele asiatischer Grossstädte. Der Ausstellungsaufbau verdoppelt den Eindruck noch. Den Hauptraum dominiert das riesige Baustellengerüst des Architekten Yung Ho Chang (China) – Sinnbild der asiatischen Stadt und Präsentationsfläche des «Dialogs zwischen Kunst und Architektur». Das Gerüst steht auf kleinen Schildkröten, den Torwächtern der Secession. Huang Yong Pings (Xiamen/Paris) Arbeit ist einer der subtilsten Beiträge der Ausstellung. Andere Arbeiten lassen mich an meiner Möglichkeit zweifeln, diese unserer westlichen Ästhetik fremde Kultur zu verstehen. Ist es Kitsch, Kritik, Humor oder einfach nur Folklore? Rirkrit Tiravanijas Beitrag, eine Kooperation mit Navin Rawanchaikul (Bankok), beantwortet zumindest partiell die Frage. Ihren Beitrag, das «tuk-tuk», jenes für Asien typische «Taxi», und das Plakat, wollen sie als Aufeinandertreffen der Kulturen verstanden wissen. Dies unterstreicht auch die Künstlerauswahl, denn neben Arata Isozaki oder Toyo Ito zeigt auch Rem Koolhaas seine architektonischen Entwürfe. Und neben den asiatischen Künstlern wurden auch die Österreicher Karl-Heinz Klopf, Aglaia Konrad und Rudi Molacek eingeladen. Sie zeigen ihren europäischen (Foto)Blick auf Asien. Molaceks Postkartenständer im Eingang ist ein schönes, leise-poetisches Gegengewicht zu den übrigen Inszenierungen ringsum, dem Sammelsurium kleiner Konsumgüter von Sarah Sze (New York) und dem komisch-kritischen «Camel»-Kamel-Bild des in Shanghai sehr erfolgreichen Zhou Tiehai. Erst mit der Zeit lassen sich auch subtilere Positionen wie die schöne und durchaus kritisch gemeinte Fotowand von Hanouy (Tokyo) die Skulptur von Yutaka Sone (Tokyo) wahrnehmen, jener Marmorblock, der die Insel Hongkong kurz vor der Übergabe 1997 mit allen Gebäuden darauf zeigt. Den Kreis schliesst Cai Guo Qiang (Guangzhou/New York) mit einer originalgrossen Golfbahn, die sich per kleiner Hinweistafel als Kritik an der Fülle der Ausstellung enttarnt.


Jusqu'à 
17.01.1998

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