Sylvie Fleury und John Armleder im Kunstmuseum

John Armleder/Sylvie Fleury · Blick in die Ausstellung, Kunstverein St. Gallen, 2000

John Armleder/Sylvie Fleury · Blick in die Ausstellung, Kunstverein St. Gallen, 2000

Besprechung

Kunstwerke haben Sylvie Fleury und John Armleder zwar immer wieder gemeinsam geschaffen. Zusammen ausstellen wollten sie, sieht man von wenigen Ausnahmen wie im Palazzo Liestal ab, jedoch nicht. Bis das Kunstmuseum St. Gallen anfragte. Verführt vom Charme der beiden Kuratoren, inszenierten sie einen fulminanten Dialog.

Sylvie Fleury und John Armleder im Kunstmuseum

Zwei Generationen, ein männlicher und ein weiblicher Blick, eine verwandte Unverkrampftheit im Umgang mit Kunst und Alltag, eine Lust am Schauspiel treffen in den vier Ausstellungsräumen, die das Paar im Obergeschoss in Besitz nimmt, zusammen und inszenieren das opulenteste Spektakel, welches das Kunstmuseum St. Gallen in den letzten Jahren seinen Gästen gegönnt hat. Im Eröffnungsraum hat John Armleder die Wände mit Spiegelfolie ausgekleidet. Ältere Bilder mit geometrischen Motiven, Glitzerpigment oder Spiegeloberflächen sind darüber gehängt. Eine schräg gestellte Komode, die zum Teil mit weisser Farbe bemalt ist, erinnert ebenso wie ein späteres Leuchtbild mit Tisch und Gitarre an die «Möbel-Skulpturen», mit denen Armleder in den Achtzigerjahren das Bild durch reale Gegenstände ergänzt hat. Stroboskopblitze zucken durch den Raum, als wäre man in einer Disco. Ein Haufen bunter Fluoreszenzröhren überführt die klassische Kunst des Minimal-Künstlers Dan Flavin in ein spielerisches Arrangement, das zusammen mit einem früheren Bild aus beweglichen Neonröhren zugleich das Licht für den Raum abgibt. Mondrians Grids sind frech in eine Spiegelfläche gefräst. Wer jetzt immer noch verzweifelt nach den Trennlinien zwischen Kunst und Leben sucht, wird von einigen Ghettoblastern daran erinnert, dass schwierige Fragen am besten pragmatisch und auf jeden Fall vergnüglich zu lösen sind. Sylvie Fleury antwortet Armleders vielschichtigem Spiel mit der Kunst der Moderne mit einem femininen Boudoir. In abgedunkeltem Licht sind zwei goldfarbene «Softrockets» abgeschlafft aufs rote Pelzbett gesunken. Eine Batterie von Raketen in Lippenstiftfarben aus der Serie «First Spaceship on Venus» steht stramm. Ein weisses Pelzbild dient als Projektionsfläche für Videos. Tyrannosaurus Rex ist als Jupe-Motiv eines jungen belgischen Designers auf die Wand gemalt. Und die Leuchtschrift «Hot Heels», die an den Motorsportclub «She Devils on Wheels» erinnert, den die Künstlerin für Frauen gegründet hat, sendet sein rotes Licht quer durchs Museum zurück in den ersten Ausstellungsraum und bringt dort Armleders Spiegelfolie zum fliederfarbenen Leuchten, als sollte die Sehnsucht nach der geborgenen Bürgerlichkeit des Biedermeier ein Zeichen erhalten.In den beiden Räumen dazwischen inszenieren die Künstlerin und der Künstler einen fulminanten Dialog der Farben, Effekte und Formen, zu dem das Kunstmuseum St. Gallen angeregt hat. Den Oberlichtsaal hat Armleder mit neuen Tapeten ausgekleidet, welche die schönen Namen «Silly» und «Plain Silly» tragen. Fleury präsentiert auf Drehscheiben, wie Autohäuser sie kennen, ein Crashauto (Opel Kadett) in Lippenstiftfarbe sowie exquisite Schuhe mit Federn. Im Korridorraum nebenan hat Fleury die Wandgestaltung übernommen und Armleder spiegelt in seinen Domes und Discokugeln auf Kopfhöhe den Saal, die Farben, die Natur und die Menschen.


Jusqu'à 
25.11.2000
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Sylvie Fleury, John M Armleder 30.09.2000 - 26.11.2000 exposition St. Gallen
Schweiz
CH

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