Ulrich Hensel in der Galerie Taubert

Ulrich Hensel · Düsseldorfer Hermann-Schauten-Weg II (no. 16), 2000, Courtesy Galerie Taubert, Düsseldorf

Ulrich Hensel · Düsseldorfer Hermann-Schauten-Weg II (no. 16), 2000, Courtesy Galerie Taubert, Düsseldorf

Besprechung

Die Galerie Thomas Taubert präsentiert die erste Einzelausstellung des 56-jährigen Düsseldorfer Künstlers Ulrich Hensel. In seiner künstlerischen Zurückgezogenheit hat sich der Autodidakt dem Kunstmarkt bislang konsequent verweigert. Das soll jetzt anders werden Dank der mutigen Entscheidung des Galeristen, einen unbekannten Newcomer (der noch dazu nicht der jungen Hippness-Generation angehört) in sein Programm aufzunehmen.

Ulrich Hensel in der Galerie Taubert

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Hensel bereits an seiner Werkgruppe bestehend aus Fotografien mit Wandmotiven. Bislang wurden allerdings aus der Vielzahl der gefertigten Fotos erst 21 Motive in den Werkstatus erhoben – dem kritischen Blick des Künstlers hält nur wenig stand. Interessanterweise macht Hensel die Fotografien, mit denen er nun im Kunstkontext antritt, nicht selbst, sondern er lässt stets einen professionellen Ablichter zum Zuge kommen, wenn er wieder einen Ort entdeckt hat, von dem er meint, er habe das Potenzial zum Bild. Bei den Arbeiten handelt es sich jeweils um grossformatige Ansichten von im Bau befindlichen Wänden. Weder greift Hensel in die auf Baustellen vorgefundenen Situationen ein noch werden die Fotos wie bei Gursky oder Ruff am Computer nachbearbeitet. Und dennoch sehen die Ansichten wie inszeniert oder manipuliert aus. Solche Wände gibt es gar nicht wirklich, möchte man meinen, schliesslich gleichen sie eher abstrakten Bildern als schmutzigen Handwerksorten. Die Nähe zur Ästhetik und zur künstlerischen Strategie in Sean Scullys Fotoarbeiten ist unverkennbar. Beide Künstler präsentieren sozusagen fotografierte minimalistische Gemälde. Nur im Fall von Hensel wirkt das Gezeigte rauer, weniger farbenfroh und nicht so sehr poetisch verklärt, dafür mehr in der Realität angesiedelt. Die Malerei selbst wird wie nebenbei thematisiert. Stets stehen Farbgebung und Komposition im Vordergrund, verstörende Details wie Metallstreben, Styroporplatten, Splinten oder die Reste des Fugenmaterials entwickeln eine Eigendynamik, als wären sie von jemandem bewusst ins Bild gesetzt. Teerflecken und Bitumenspuren werden zur gestisch-expressiven Pinselspur. Das alles kommt jedoch nur durch die Auswahl Hensels zustande. Mit Sicherheit würde kein Maurer, der an einer solchen Wand weiterarbeitet, sehen, was nun jeder Besucher in der Galerie wahrnehmen kann: urbane Nichtorte von grösster Schönheit.
Bis 4.5.

Institutionen Pays Ville
Thomas Taubert Allemagne Düsseldorf
Auteur(s)
Sven Drühl
Artiste(s)
Ulrich Hensel

Publicité