John Armleder bei de Pury & Luxembourg

John Armleder · Voltes – New Neons and Mirrors, 2003

John Armleder · Voltes – New Neons and Mirrors, 2003

Besprechung

In seiner jüngsten Ausstellung fächert John Armleder ein faszinierendes Angebot auf, in dem auch Anklänge an seine frühen Arbeiten spürbar sind.

John Armleder bei de Pury & Luxembourg

Die Ausstellung «Voltes» von John Armleder ist opulent ausgefallen. Im ersten der beiden grossen Räume finden sich eine Furniture-Sculpture in verschiedenen Orangetönen und in einer flächigen Anordnung fünfundzwanzig weissfluoreszierende Neons, sowie an den Wänden ein- und zweifarbige Zielscheiben: runde Spiegel bestehend aus verschiedenen Ringen, die den Raum und alles was sich in ihnen zeigt in verschieden farbige Segmente unterteilt. Der zweite Raum wird von grossformatigen Arbeiten bestimmt. Da finden sich sowohl ein Haufen dicht aufeinanderliegender versilberter Weihnachtsbäumchen und fünfundreissig farbigfluoreszierende Neons, als auch ein beinahe quadratisches Schüttbild, bei dem verschiedene Farben in unterschiedlichen Konsistenzen von oben nach unten über die Leinwand geleert werden, wodurch eine höchst heterogene Bildstruktur entstand. Dominiert wird der Raum von zwei wandübergreifenden Neoninstallationen. Auf der einen Seite ist da die in horizontalen Bändern aus feinen Neonröhrchen angelegte Installation, die in kurzen Abständen fortwährend an- und ausgeschaltet wird, so dass der Eindruck einer Fahrt mit dem Aufzug über verschiedene Stockwerke entsteht, andrerseits eine aus zahlreichen Zielscheiben bestehende Neonarbeit, deren verschiedene Farben aufflackern und wieder verlöschen. Die dadurch entstehenden Farbveränderungen und die nach dem Verlöschen entstehenden Nachbilder sind hier besonders reizvoll.

Gerade weil wir im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit und damit auch mit der totalen Verfügbarkeit leben, bleibt ungewiss, mit wie vielen Anspielungen und mit welcher Ernsthaftigkeit uns Armleder hier füttert. In der Ausstellung sind Arbeiten zu sehen, die auf die eigene künstlerische Entwicklung, andere Positionen, die Einflüsse von Neo-Dada, Fluxus, von Postmoderne und strukturalistischen Tendenzen referieren. «Volte», der Titel der Ausstellung, referiert auf Alessandro Volta, den Erforscher der elektrischen Spannung, ohne welchen die visuelle Kraft und Vibration der flimmernden kreisenden Neon-Zielscheiben nicht denkbar wäre.

Und immer wird alles, was uns Armleder präsentiert, bestimmt von einer unbändigen Lust und einem grossen Anspruch an der raumgreifenden Inszenierung. In ihrer Einfachheit und Nonchalence nimmt sie den Betrachter für sich ein und entführt ihn auf einen Höhenflug durch virtuelle Welten, der abrupt in einem Teufelsritt durch die Kunstgeschichte und ihren Theorien endet. Wieder draussen angekommen und eingeholt von der sommerlichen Hitze und dem abendlichen Verkehr der Grossstadt reibt man sich die Augen und sinniert etwas irritiert darüber nach, ob das Gesehene nur geträumt war.

Jusqu'à 
04.09.2003
Artiste(s)
John M Armleder
Auteur(s)
Simon Baur

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