Kunst über Hip-Hop im Museum Villa Stuck

Davide Bertocchi · Phonograf, 1998, C-Print auf Aluminium, 2-teilig, Courtesy Gian Carla Zanutti, Mailand

Davide Bertocchi · Phonograf, 1998, C-Print auf Aluminium, 2-teilig, Courtesy Gian Carla Zanutti, Mailand

Besprechung

Dass Hip-Hop-Musik in ihrer
weltweiten Erfolgsgeschichte nicht ohne Einfluss auf die bildende Kunst blieb, demonstriert die Ausstellung «One Planet under a Groove – Hip-Hop und Zeitgenössische Kunst», die ausgehend vom Bronx Museum of the Arts, New York, jetzt in Europa im Museum Villa Stuck in München zu sehen

Kunst über Hip-Hop im Museum Villa Stuck

Hip-Hop ist schon lange nicht mehr nur die Musik schwarzer Ghettos. Trotzdem, im Vergleich zu anderen Projekten ist der Anteil von People of Color unter den teilnehmenden Künstlern signifikant. Wer hier nach herausragenden Exponaten der visuellen Kultur des Hip-Hop sucht (beispielsweise nach Videos von Missy Elliot oder besonderen Art Works bei Tonträgern), wird enttäuscht. Vermutlich um Crossover-Probleme zu vermeiden, werden in dieser Ausstellung ausschliesslich Arbeiten von explizit bildenden Künstlern gezeigt, die irgendeinen Bezug zu Hip-Hop haben, meist den, dass sie einfach Fans sind. Ein Nachteil dabei ist die konventionelle Form der Präsentation. Dreissig Jahre nach der Entstehung scheint Hip-Hop nun museumskompatibel zu sein, aber nur um den Preis der Filterung durch Kategorien des Kunstsystems. So werden am Eingang wie alte Meisterwerke gerahmte Werke von Keith Haring und Jean-Michel Basquiat gezeigt. Aber auch «Klassiker» der politischen Konzeptkunst wie Adrian Pipers «Funk Lessons», 1983, und eine digitale Version von Rene Greens «Import/Export Funk Office», 1996, sind hier zu finden. Der provokante, anmassende Gestus des Hip-Hop wird nur in wenigen Arbeiten sichtbar. Schönstes Beispiel ist Juan Capistrans in Fotos dokumentierte Aktion «The Breaks», 2000, die aus einem Breakdance auf einer Bodenskulptur von Carl Andre besteht. Subversiv auch die Objektplastik «Night Rap», 1994, von Mel Chin – eine Mischung aus Polizeiknüppel und Mikrofon, das während der ganzen Ausstellungsdauer angeschaltet ist. Einer unangemessenen Glorifizierung des Hip-Hop arbeitet Susan Smith-Pinelo in ihrem Video «Cake», 2001, entgegen. Um den Sexismus vieler Hip-Hop-Videos zu belegen, stellt sie Ausschnitte aus kommerziellen Musikclips einem Pornostreifen der Rapperszene gegenüber. Bemerkenswert auch die Gemälde des in Deutschland geborenen Erik Parker, die weitgehend auf Namenslisten basieren und in ihrer Ornamentik an Poster der psychedelischen Musik der sechziger Jahre erinnern. In diesen eigenwilligen Stammbäumen werden visuelle mit sprachlichen Elementen kombiniert. Eine Anbindung an die lokale Hip-Hop-Szene wird vor allem durch Veranstaltungen erreicht. Schon die Begeisterung des Vernissagepublikums für die Breakdancer der Münchner Formation «Step to Diz» an der Eröffnung macht deutlich, dass die Attraktivität der verschiedenen Ausdrucksformen von Hip-Hop weit über den engen Kreis der Fans hinausreicht.

Jusqu'à 
10.01.2004

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