Valie Export in der Sammlung Essl

Valie Export · Body Sign B, 1970, Silber-Gelatine-Print auf Baryt, 105 x 70 cm, Fotonachweis: Courtesy Galerie Charim, Wien, © ProLitteris Zürich

Valie Export · Body Sign B, 1970, Silber-Gelatine-Print auf Baryt, 105 x 70 cm, Fotonachweis: Courtesy Galerie Charim, Wien, © ProLitteris Zürich

Besprechung

Nachdem Valie Export bisher hauptsächlich als Medien- und Performancekünstlerin rezipiert wurde, gilt das aktuelle Interesse an ihrem Werk bislang auch weniger beachteten Aspekten. So war in Wien kürzlich eine Ausstellung mit dem Schwerpunkt auf Exports seriellen Fotografien zu sehen. In der grossen Überblicksschau in der Sammlung Essl in Klosterneuburg bei Wien werden neue Zusammenhänge innerhalb ihres konzeptuellen Schaffens deutlich.

Valie Export in der Sammlung Essl

Valie Export hat seit den sechziger Jahren konsequent theoretische Modelle - aus den Feldern Medien, Philosophie und Soziologie - in ihr Werk miteinbezogen und in Analysen gesellschaftlicher Strukturen und Machtsysteme weiterverarbeitet. In der Ausstellung werden rund 120 Arbeiten aus den letzten knapp vierzig Jahren gezeigt, von denen einige in der Sammlung Essl zum ersten Mal zu sehen sind. Mit dem Präsentationsort Klosterneuburg hat diese Übersichtsschau ihre fünfte und letzte Station erreicht. Die Tour wurde organisiert vom französischen Centre National de la Photographie und führte von Paris nach Sevilla, Genf und London.

Die Ausstellung wurde entlang von sieben Themen konzipiert, die teils gattungsspezifisch, teils inhaltlich definiert sind. Überraschend in jeder Hinsicht ist eine Reihe von so genannten «Kinderzeichnungen» aus den frühen siebziger Jahren, die mit diesem Begriff wenig gemein haben, vielmehr gewisse Analogien zum Surrealismus nahe legen. Die Motive sind häusliche Szenen, eigentliche kleine Familiendramen, die unter feministischer Perspektive umgedeutet und enttabuisiert werden. Höchst ungewöhnlich bleibt die Behandlung dieser Themen im Format der Zeichnung, das für das Schaffen von Valie Export eigentlich kein typisches ist. Diese selten gezeigten Arbeiten sind bemerkenswert auch vor dem Hintergrund, dass Valie Export als «Frau mit der Kamera» den medientheoretischen Diskurs um das mediale Abbild von «Wirklichkeit» und um die Verschiebung von deren Wahrnehmung durch die Einsetzung eines fotografischen Apparates wesentlich mitgeprägt hat. Die Kamera nimmt bei ihr immer den Part des relativierenden, Distanz schaffenden Mediums ein. Darauf zu verzichten bedeutet, sich einer gewissen Unmittelbarkeit zu öffnen, der ansonsten das ganze Werk Valie Exports entgegensteht.

Die anderen Themenblöcke der Ausstellung sind den doch wesentlich bekannteren Arbeiten und Produktionsweisen Exports gewidmet: den Videoinstallationen und Filmen, die teilweise durch Projektskizzen ergänzt werden; den Performances; den Aktionen wie dem berühmten Tapp- und Tastkino als «Expanded Cinema»; den konzeptuellen Fotografien; den Körperkonfigurationen sowie dem Thema Identität. Zur Ausstellung ist ein informativer Faltkatalog mit einem Interview mit der Künstlerin erschienen.

Until 
09.04.2005

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